Some thoughts around Brexit

On Friday morning I was shocked, probably just like everybody else. In the course of the day, that shock became anger. As such, I refrained from writing about Britain’s imminent quitting the European Union, fearing that it would only be a rant. Over the weekend, I have spoken with people about it, heard different opinions, read analyses, laughed about jokes and sorted my thoughts. This post might still be somewhat rant-ish, but very much less than if I had written it on Friday or Saturday (luckily I was busy otherwise). I will not deal with Brexit as such, there are already enough analyses about this disaster, but I will focus more on related thoughts about society, democracy and politics.
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Enforcing Rules Is Important

A while ago on a German train station, I saw a conductor telling a group of people that smoking is prohibited in this station. He was laughed at and ignored. Later on a passenger next to me on the train told the conductor, how glad he was that he stood up to the smoking people and reminded them of the rules. The conductor replied that it is sadly not in his power to enforce the smoking ban in German stations – and not his job for that matter. This would be the job of DB Security, a subsidiary of Deutsche Bahn, who (together with the German Federal Police) is responsible for the security of German train stations and have the means to enforce the rules. The passenger complained that all the security personnel  making their rounds do rarely remind  people of the smoking ban and even more rarely enforce it. An observation I can confirm. The conductor shrugged “A lot is changing” to which the passenger replied “Unfortunately”.

We could now dismiss this little story as an unimportant chat of people unhappy about change, but I think there is more to it. It is not a story about change but about rules and how unenforced rules makes people unhappy.

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Leseempfehlung „Hört den Experten zu“

Patrick Bernau schreibt in der FAZ schlaue Worte über die Ökonomen und die Politiker, die entweder nicht, oder nicht genug oder nicht genau zuhören, was die Experten zu sagen haben.

Patrick Bernau: „Hört den Experten zu”

Zum Ende schreibt er:

Doch manchem Spitzenforscher ist es bis heute gleichgültig, ob der Rest der Gesellschaft sich für seine Arbeit interessiert. Diese Forscher überlassen die öffentliche Diskussion anderen, die manchmal weniger qualifiziert sind.

Die Leserkommentare darunter zeigen eindeutig warum es einigen Ökonomen völlig egal ist, was die Öffentlichkeit über ihre Arbeit denkt. Mit ignoranten Besserwissern, die die eigene Arbeit als „Pseudowissenschaft“ bezeichnen und sich nicht auf eine Debatte einlassen, sondern sich stattdessen auf absolute Standpunkte zurückziehen, will ich auch nicht reden. Zur Wissenschaft – bei all den wissenschaftlichen Schwächen der Volkswirtschaftslehre – gehört nicht nur, dass die Forscher gewissenhaft arbeiten sondern eben auch, dass den Forschern prinzipielles Vertrauen entgegengebracht wird – ein jeder von uns hat sich bei seiner Forschung etwas gedacht. Freilich ist keine Arbeit perfekt, sondern bietet immer Ansatz für berechtigte Kritik. Aber diese Kritik ist wissenschaftlich anzubringen. Aber wenn man als Ökonom prinzipiell als Scharlatan angepöbelt wird, vergeht selbst dem motiviertesten Forscher schnell die Lust und die Freude an der öffentlichen Debatte.

Bernau hat recht, dass wir Ökonomen unsere Ergebnisse stärker in der Öffentlichkeit debattieren müssen; allerdings nur wenn die Öffentlichkeit auch ein Ohr dafür hat.

Ströbeles genialer Coup

Dass Hans-Christian Ströbele sein Treffen mit Edward Snowden über Monate im Geheimen geplant und durchgeführt hat, verdient nicht nur Respekt aus operativer Sicht. Nein, auch hat er damit der Debatte und auch seiner Partei einen großen Gefallen getan. Vielleicht ist dieses Treffen und den Brief, den er mitgebracht hat die politische Sensation des Jahres.

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Otmar Issing über das Überdehnen der Politik

Gerade habe ich diesen schönen Satz von Otmar Issing in einem Aufsatz über die Unabhängigkeit der Zentralbank gelesen:

The temptation to extend the political sphere into all areas of life is inherent in any democracy. At the end of this process is an overtaxing of the policy-makers, as a consequence of which there is a risk that people will be disappointed about dashed expectations, and thus of democracy being put in jeopardy.
— Otmar Issing, 1993
in “Central Bank Independence and Monetary Stability”

Dieser Satz bringt, gerade vor einer Bundestagswahl, zum Ausdruck, was Politik zu leisten vermag und was nicht. Es sei denjenigen zum Denken gegeben, die bei jedem Problem “Da muss man doch was machen!” rufen.

Was denkst Du? Wo sind die Grenzen zwischen Politik und Privatem? Was kann und was sollte nicht politisch sein? Ich freue mich auf Kommentare.

Leseempfehlung: „Steigt der Anteil der Armen in Deutschland?“

Kolja Rudzio schreibt in der ZEIT einen besonnenen und unaufgeregten Artikel zur Armut in Deutschland, wie sie gemessen wird und wie die Ergebnisse fehlinterpretiert oder sogar missbraucht werden.

Lesenswert für Ökonomen und Statistikfans und für Linke jeder Coleur, die über den Tellerrand hinausblicken wollen.

Leseempfehlung: „Anthropologe Gunther Hirschfelder ‚Die Gans macht ein schlechtes Gewissen‘“

In der FAS vom 23.12.2012 steht ein interessantes Interview mit dem Regensburger Anthropologen Gunther Hirschfelder. Er spricht über den Bedeutungswandel von Weihnachten, die Gründe dafür; über Essen, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit und über das Selbstbild einer Kultur. Sehr lesenswert mit einigen bedenkenswerten Ansätzen.

Wie feierst Du Weihnachten? Als religiöses Fest oder als Familienfeier? Mit oder ohne Gans? Ich freue mich auf Deine Kommentare.

Schäubles Rüffel

Die FAS titelte gestern “Schäuble stellt sich gegen den Bundesbank-Chef“. In einem Interview sagte der Bundesfinanzminister:

Ich bin mir nicht sicher, ob es zur Stärkung des Vertrauens in die Notenbank beiträgt, wenn diese Debatte halb öffentlich geführt wird. Die Bevölkerung ist tief verunsichert. Und die Notenbanken sind eine der Institutionen, denen die Bürger grundsätzlich Vertrauen entgegenbringen.

Mal abgesehen davon, dass das Vertrauen der Menschen in die EZB schwindet, liegt Herr Schäuble völlig falsch. Ihm geht es nicht um das Vertrauen der Menschen in die Eurorettung sondern, um das Vertrauen der Investoren in die Eurorettung. Die wissen aber alle, dass diese Pläne letztlich zum Scheitern verurteilt sind.

Wenn es tatsächlich um das Vertrauen der Bürger geht, sollte die Debatte, um die Staatsanleihekäufe der EZB nicht nur halböffentlich sondern öffentlich geführt werden. Das gehört sich so für Demokraten. Mich beschleicht aber der Verdacht, dass Herr Schäuble die öffentliche Diskussion scheut, weil er weiß, dass die Eurorettung verkorkst ist. Und dass die Bürger das spitz kriegen.

Außerdem steht es der Bundesregierung nicht zu den Bundesbankpräsidenten zurechtzuweisen. Herr Weidmann sollte klarstellen, dass sich die Bundesbank und insbesondere er selbst von niemandem den Mund verbieten lässt, wenn es um die Stabilität des Euro geht.

Was hältst Du von Schäubles Rüffel? Ist er gerechtfertigt oder daneben? Wie sollte Jens Weidmann reagieren?

Sind unsere Parlamente verzerrt?

In meiner Statistik- und Ökonometrievorlesung reden wir ziemlich viel über mögliche Fehlerquellen der empirischen Analyse – von technischen und auch von handwerklichen Verzerrungen. Beim Diskutieren darüber mit meinen Kommilitonen stellte sich mir die Frage, ob die Parlamente einer repräsentativen Demokratie nicht von vorne herein unter einer Verzerrung leiden. Nicht (nur) weil dort zu viele Lehrer, Juristen und Gewerkschaftsfunktionäre sitzen, sondern wegen der Auswahlverzerrung oder Selection Bias.
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