Leseempfehlung: „The Price Is Wrong“

Kein halbwegs ökonomisch interessierter Mensch kann einen Artikel mit einer solch provokanten Überschrift ignorieren, selbst wenn der Artikel von Paul Krugman kommt.

Krugman: The Price Is Wrong

Krugman schreibt über den amerikanische Abschwung und präsentiert zwei, sich gegenseitig ausschließende Alternativen. Natürlich hält er die “Wir müssen mehr Geld ausgeben”-Alternative für die richtige – nichts anderes war zu erwarten. Es sei der Preis des Gelds, die erwartete Inflation und damit der reale Zins, der falsch ist und nicht etwa der Preis der Arbeit, der nominale Lohn.

Er übersieht dabei, dass etwas ganz anderes in den USA falsch läuft und das hat nichts mit den Preisen zu tun, die sehr wohl korrekt sind. Würde meine Regierung sich im Dauerstreit selbst über kleinste Kleinigkeiten befinden, ich würde als Unternehmer auch nichts investieren.

Es geht hier weniger um das Sparen-wollen als vielmehr um das Ausgeben-können. Die Politik ist durch ihr ständiges Gezeter dafür verantwortlich, dass sich die Wachstumsaussichten getrübt haben. Ähnlich wie in Europa sorgt die politische Unsicherheit für fehlende Investitionen. Und das hat tatsächlich sowohl angebotsseitige als auch nachfrageseitige Auswirkungen.

 

Leseempfehlung „The swamps of DSGE despair“

Noah Smith schreibt auf seinem Blog Noahpinion über die Unzulänglichkeiten von DSGE-Modellen. Nun ist es vielleicht etwas vermessen von einem Studenten der VWL, die Lastesel der modernen Makroökonomik zu kritisieren – aber Smith schreibt über den DSGE-Ansatz genau das, was ich mir schon immer dachte: Zu komplex, zu beliebig, zu stark vereinfacht.

Noahpinion: The swamps of DSGE despairs

Besonders ein Absatz hat es mir angetan: Dort schreibt er über eine Alternative, nämlich das Konzept der Meteorologen zu klauen.

[…] I’d suggest incorporating these reliable microeconomic insights into large-scale simulations (like the ones meteorolgists use to forecast the weather); in fact, any DSGE model that incorporates all of the actual frictions we find is likely to be so complicated, and so full of multiple equilibria in the full nonlinear case, that it demands this kind of approach.

Jahrzehntelang haben wir Ökonomen versucht, wie die Physiker zu werden. Vielleicht hätten wir eher versuchen sollen, wie die Meteorologen zu werden. Immerhin untersuchen diese, genau wie wir, ein hochkomplexes, interdependentes, (chaotisches?), rückgekoppeltes System. Anstatt die Wirtschaft mit eleganter Mathematik zu lösen, ist es vielleicht zielführender es mit brachialer Rechengewalt zu versuchen.

(via @zopolan)

Monopoly – Gespielter Kapitalismus?

Letzte Woche haben meine Freunde und ich eine lustige kleine Monopolyrunde gespielt. Offiziell als wirtschaftswissenschaftliches Experiment, um festzustellen ob die These eines der Freunde aufrechtzuerhalten war, dass man Monopoly am besten nicht-kooperativ spielen soll. Ein anderer Freund und ich hielten dagegen und sagten, dass man kooperativ spielen wird, wenn die Umstände es erfordern; etwa wenn man sich durch einen Deal in ein bereits verloren geglaubtes Spiel zurückzufinden erhofft. Continue reading Monopoly – Gespielter Kapitalismus?

Zyperns verkorkster Bailout

Achtung: Rant-Alarm!

Manchmal frage ich mich wirklich, ob ich nicht im falschen Film bin. Das hier ist doch nicht die echte Welt, sondern ein Klamaukstreifen. Ihr wisst schon, so á la Mr Bean, wenn man in den Fernseher springen möchte, um ihm zu helfen. Oder wie Familie Heinz Becker. Oder ein Absurditätenkabinett wie Monty Python. Anders kann ich mir die komplette Hirnverbranntheit nicht erklären, die unsere Politiker gerade an den Tag legen.

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Keine Waffen für Syrien

Ich dachte ja eigentlich, die Dreistigkeit und Inkompetenz des französischen Präsidenten Hollande hätte mit seiner Forderung nach einem Wechselkursziel für den Euro den Höhepunkt erreicht. Doch dann schlägt er heute vor, die Gegner des Assad-Regimes in Syrien mit Waffen zu beliefern. Als ob noch mehr Waffen den Bürgerkrieg unblutiger machen würden.

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Es geht gar nicht um Zypern

Zur Stunde sitzen die Finanzminister der EU in Brüssel beisammen und beraten darüber, wie man dem von der Staatsinsolvenz bedrohten Zypern helfen kann. Ob man überhaupt helfen sollte, wird nicht gefragt – aus zwei Gründen. Beide Gründe sind Zeugnis dafür, dass in Europa das Recht mit Füßen getreten und die ordnende Wirkung der Marktkräfte bekämpft wird. Continue reading Es geht gar nicht um Zypern

Ein Wechselkursziel kann die Krise nicht lösen

Frankreichs Präsident Hollande hat ein Wechselkursziel für den Euro ins Spiel gebracht. Flankiert wird er dabei von französischen Ökonomen, die lieber extern als intern abwerten wollen, sprich lieber eine schwache Währung in der Tradition des Franc und der Lira hätten als Arbeitslosigkeit und sinkende Reallöhne. Continue reading Ein Wechselkursziel kann die Krise nicht lösen

Hat die Geldpolitik ein Demokratiedefizit?

Alexander Trentin schreibt in der Finanz und Wirtschaft, dass die Geldpolitik ein Demokratiedefizit habe.

Im kleinen Kreis würde in der EZB und bei der Fed über Zinsen und Geldmenge entschieden, ohne dass Parlamente mitreden dürfen. Nun, zunächst mal ist jeder Notenbank-Chef und jedes Mitglied des Vorstandes von einem Mitglied einer Regierung ernannt und meist auch vom Parlament bestätigt. Von daher gibt es bereits eine indirekte demokratische Legitimierung. Continue reading Hat die Geldpolitik ein Demokratiedefizit?

A short response to „Doomed to fail?“

This post is just short response to „Central banking – Doomed to fail?“ at Free Exchange – some random thoughts.

Free Exchange suggests by quoting Minsky and Greenspan that central banking itself may play an important part in the genesis of financial crises. This is due to their job of reducing volatility and thus fuelling unsustainable debt levels. Continue reading A short response to „Doomed to fail?“

Des Bundesrates Mindestlohn

Die Gesetzesinitiative für einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn der Rot-Grünen Länder im Bundesrat ist eine Posse. Sie dient nur dazu ein Wahlkampfthema zu eröffnen und Macht zu demonstrieren. Sie ist keines weiteren Kommentars wert.

Von der konkreten Forderung abgesehen bleiben ein gesetzlicher Mindestlohn und unioneske Lohnuntergrenzen wirtschaftspolitisch das, was sie bisher auch waren: ungeeigneter Unsinn.