Was man mit dem EFSF-Geld wirklich machen sollte

Staaten retten, die sich überschuldet haben? Anleihen kaufen? Bankeinlagen garantieren?
Aus dem folgenden Diagramm geht hervor, wie man das Geld der EFSF wirklich sinnvoll verwenden sollte, wenn einem die Leistungsfähigkeit und Stabilität von Europas Wirtschaft am Herzen liegt.

Quellen der Unternehmensfinanzierung in der Eurozone 2007-2011, Quelle: EZB, Eurostat
Das Fremdkapital europäischer Unternehmen kommt zu etwa drei Vierteln aus Bankdarlehen. Der einzig sinnvolle Einsatz von EFSF-Mitteln ist also das Aufpolstern von Bankbilanzen, damit diese einen möglichen Ausstieg eines oder mehrerer Länder aus der Eurozone verkraften können und weiter Kredite vergeben zu können. Europas Wirtschaft hängt am Wohl und Wehe der Banken – deswegen ist es gar nicht schlimm, wenn mit dem Rettungsschirm die “bösen” Banken gerettet werden. Indirekt schützt man Wirtschaft und Arbeitsplätze damit mehr als mit insolventen Staaten, die als Zombies weiter existieren. Das es letzten Endes darum geht, Arbeitsplätze und Produktion zu schützen, scheinen die Staatenretter ein wenig aus den Augen verloren zu haben.
Will man die Banken nicht mit Steuergeld “retten”, müssen sofort die Finanzmärkte stärker dereguliert werden, um den Unternehmen die Ausgabe eigener Anleihen zu ermöglichen, die günstiger sind als vergleichbare Bankdarlehen. Ich glaube nicht, dass das besser oder schlechter wäre – wohl aber deutlich schwieriger umzusetzen.

Die europäischen Regulierer könnten im Rahmen der Diskussion über eine Bankenunion auch mal darüber nachdenken, den Banken die Einrichtung eines privaten Rettungsfonds vorzuschreiben. Klar erzeugt das wieder Moral Hazard, aber immerhin würde für zukünftige Bankenrettungen kein Steuergeld benötigt werden.

Wissen die eigentlich, was eine Fiskalunion bedeutet?

Das Handelsblatt schreibt über einen Leitartikel in der italienischen Zeitung “Sole 24 ore” von Chefredakteur Roberto Napoletano. Darin fordere dieser eine Fiskalunion, eine Bankenunion und Eurobonds. Ähnliche Stimmen hört man aus Madrid und Brüssel.
Dabei stellt sich mir die simple Frage, ob man in den Krisenländern und der EU-Kommission überhaupt weiß, was eine Fiskalunion eigentlich bedeutet.
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Spaniens Bailout

Der Bailout für Spanien wird kommen. Man ziert sich noch ein bisschen und taktiert politisch in der Gegend herum, um zu zeigen, dass man wirklich alles getan hat, um den Bailout zu verhindern. Aber am Ende wird es heißen, dass alle Bemühungen umsonst waren der Bailout wird kommen. So ist Politik eben Politik. Das eigentlich interessante am Bailout für Spanien ist aber etwas anderes, aber nicht weniger politisch.
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Sind unsere Parlamente verzerrt?

In meiner Statistik- und Ökonometrievorlesung reden wir ziemlich viel über mögliche Fehlerquellen der empirischen Analyse – von technischen und auch von handwerklichen Verzerrungen. Beim Diskutieren darüber mit meinen Kommilitonen stellte sich mir die Frage, ob die Parlamente einer repräsentativen Demokratie nicht von vorne herein unter einer Verzerrung leiden. Nicht (nur) weil dort zu viele Lehrer, Juristen und Gewerkschaftsfunktionäre sitzen, sondern wegen der Auswahlverzerrung oder Selection Bias.
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