Lohnerhöhungen als Beitrag zum Abbau des Exportüberschusses?


Dieser Artikel ist auch bei zuwi.at erschienen.

Können Lohnerhöhungen den Exportüberschuss Deutschlands und damit den Leistungsbilanzüberschuss verringern? Kann man damit die Krise lösen?
DIW-Chef Wagner wird im Handelsblatt wie folgt zitiert:

[…] hält der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Gert G. Wagner, 2012 Lohnerhöhungen von durchschnittlich drei Prozent für angemessen. Maßstab sei die mittelfristige Produktivitätsentwicklung plus mittelfristige Inflation, sagte Wagner den Dortmunder „Ruhr Nachrichten“. Allein die Inflationsrate werde 2012 knapp zwei Prozent betragen. Gemessen daran könne sich die deutsche Wirtschaft im Schnitt sicherlich dreiprozentige Lohnerhöhungen leisten.

Lohnerhöhungen in Deutschland seien auch ein Beitrag zur Stabilität der Euro-Zone, sagte Wagner. Deutschland erwirtschafte mit seiner Niedriglohnpolitik seit Jahren einen hohen Außenhandelsüberschuss und bringt andere Länder in ein Defizit. „Höhere Löhne sind ein Beitrag zum Abbau des deutschen Exportüberschusses“, sagte Wagner. [1]

Nun hat Herr Wagner zweifellos recht damit, dass die wirtschaftliche Situation Lohnsteigerungen ermöglicht, auch in dieser Höhe. Ich halte es aber aus einem anderen Grund für wichtig. Continue reading Lohnerhöhungen als Beitrag zum Abbau des Exportüberschusses?

Tekk – Tekkoism EP [slgrv_41]

Noch was von Sologroove, da gibt’s einiges nachzuholen. Tekk bringt Veröffentlichung 41: “Tekkoism EP”.

Der 4-Tracker zwischen Deep House, Techno und Tribal House beginnt mit “All the good things”, einem schön vor sich hin groovenden Stück Tribal House. Für meinen Geschmack ein bisschen zu lang geraten, fünf Minuten hätten es auch getan, aber trotzdem cool. Es geht weiter mit “Hard Rhodes”, das den Tech House der frühen 2000er Jahre zitiert, pumpt und treibt bis es kurz nach der Hälfte in einen beinahe trancigen Breakdown mit besagtem Rhodes mündet. Scharf!

“Polysynthesis” beginnt deep, mit Anleihen im Dubtechno, zitiert bald Detroit und im Bass den 2011er Popdance, im Buildup stöhnt eine Frau, hier und da fiept und piept es wie im Kommerzhouse 2007 und schon sind alle gängigen Houseklischees bedient. Macht Laune!
Mit “Scroll Down and Doubleclick” endet die EP ziemlich technoid. Zumindest denkt man das, bis hier ähnlich wie in “Hard Rhodes” der Breakdown kommt und es funkiger wird. In der zweiten Hälfte des Titels ist vom Tech House des Anfangs nichts mehr übrig. Und so entlässt “Tekkoism” uns deephousig groovend in die Nacht.

Eine tolle kleine EP mit viel House, Funk und Glitzer. Durchweg empfehlens- und hörenswert.

Anspieltipp: Polysynthesis

Nevy – Systematic Sounds EP [slgrv_39]

Nach einer etwas längeren Pause (seit Februar) dachte ich schon eines meiner Lieblingsnetlabel “Sologroove” aus der Slowakei hätte dichtgemacht. Aber seit September gibt es wieder Musik auf Sologroove. Die Nummer 39 des Katalogs ist die “Systematic Sounds EP” von Nevy.

“Deep in the sound” läutet die EP ziemlich – nun ja – deep ein. Langsam erheben sich die Streicher über den Groove, dessen verstreute Synkopen für eine willkommene Auflockerung des Four-to-the-floor sorgen. Die Nummer zwei “House music is my drug” ist der Schwachpunkt. Alte Sounds, eines der bekanntesten und ausgelutschtesten Samples der Houseszene und kein Spannungsbogen im Arrangement. Einfach skippen.

Der namensgebende, beinahe elf Minuten lange Titel “Systematic Sound” besticht mit entspannten, deephousigen Rhythmen und einem langsamen Arrangement. In den letzten zwei Minuten wird es noch mal techhousig.

Der Schlusstitel “Try to love me” sonnt sich in Lateinamerika und bringt die typischen Klänge des Latin House mit, hält sie aber dezent im Hintergrund. Entspannter Sommernachmittag obwohl wir gerade die längste Nacht des Jahres hatten. Schick.

“Systematic Sound EP” ist eine nette kleine Veröffentlichung, aber einen richtigen Knaller hat sie nicht zu bieten.

Anspieltipp: Try to love me

Ein Icon für LyX im Faenzastil

Ich war schon die ganze Zeit ein wenig genervt davon, dass das LyX-Icon in meiner Gnome Shell etwas altbacken, pixelig, verschwommen, hässlich aussieht. Da ich das unglaublich tolle Iconset Faenza verwende, habe ich kurzerhand die Icondateien aus dem LyX-Wiki runtergeladen und ein LyX-Icon im Faenzastil erstellt. Nun kann es sich bei weitem nicht mit den eigentlichen Icons messen, aber immerhin fällt LyX jetzt nicht mehr ganz so sehr aus dem Rahmen.

Du kannst das Icon hier herunterladen. Beachte bitte, dass das Icon (wie auch Faenza) unter der GPLv3 steht.

Über Ungleichgewichte


Dieser Artikel ist auch bei zuwi.at erschienen.

Vorgestern habe ich einen Kommentar im Handelsblatt gelesen, in der der Autor die Leistungs- und Handelsbilanzunterschiede innerhalb der Eurozone als das eigentliche Problem der Krise ansieht und nicht die horrenden Staatsschulden.
Vieles von dem was Herr Mallien schreibt ist durchaus richtig, dennoch ist sein Schluss – das Geschäftsmodell Deutschlands bringe Europa den Ruin – meines Erachtens abenteuerlich, ja geradezu naiv. Implizit würde das bedeuten, dass die Deutschen genau deswegen einen Leistungsbilanzüberschuss haben, weil sie so gerne exportieren und es willentlich als Geschäftsmodell angenommen haben. Continue reading Über Ungleichgewichte

Anleihen, Politiker und die intertemporale Budgetbeschränkung

Wenn uns die aktuelle Staatsschuldenkrise eines gelehrt hat, dann dass  Staatsschulden in Form von Anleihen den Untergang der betreffenden Volkswirtschaft bedeuten können. Daher müssen wir uns Möglichkeiten ausdenken, diese Gefahr einzudämmen oder gänzlich zu bannen. Weiter unten präsentiere ich so eine Idee. Aber vorher möchte ich diese Idee etwas motivieren.

Zunächst etwas Theorie. Jeder wirtschaftliche Akteur betreibt intertemporale Ausgabenglättung. Wer heute viel hat, wird etwas gegen Zinsen sparen, um es morgen zu konsumieren. Wer mit ausreichender Wahrscheinlichkeit morgen viel haben wird, dem wird gegen Zinsen ein Kredit gewährt, um heute zu konsumieren. Das ist völlig normal und prinzipiell überhaupt kein Problem, sofern man im zweiten Fall die intertemporale Budgetbeschränkung beachtet – sich nicht mehr Geld leiht, als der Barwert aller zukünftigen Einnahmen ist. Das Spiegelbild dieser Betrachtung ist, dass jede Verschuldung in irgendeiner anderen Bilanz als Investition auftaucht. Daher wäre es fatal Verschuldung generell zu verbieten, weil man damit auch einen Gutteil der Investitionen verböte. Continue reading Anleihen, Politiker und die intertemporale Budgetbeschränkung