Warum Studiengebühren eine schlechte Idee sind

Heute saß ich in Mainz in einem Bus, nebenan zwei ältere Damen, die irgendwie auf das Thema Studiengebühren zu sprechen kamen. An meiner Haltestelle stieg eine der Damen auch aus und fragte mich ob ich Student sei, weil ich so aufmerksam zugehört habe. Ich sagte “Ja, bin ich, aber ich kann ihrer Argumentation nicht folgen.” Ich brachte einige Argumente, aber die Dame hörte mir nicht zu sondern hielt mich wohl für einen faulen Studenten, der der Allgemeinheit auf der Tasche liegt.
Da mir diese ältere Dame nicht zuhören wollte, schreibe ich die Argumente nun eben in meinen Blog.
Eines vorweg: Bis vor etwa drei Jahren, war ich ebenfalls ein Befürworter von Studiengebühren, bis ich gemerkt habe, wo die Haken sind und, dass diese Haken die Vorteile von Studiengebühren deutlich überwiegen. Aber hübsch der Reihe nach.
Studiengebühren sind sowohl als liberaler, als auch ökonomischer Hinsicht völliger Quatsch. ich fange mal mit der liberalen Argumentation an.
Der Grundgedanke des Liberalismus ist größtmögliche Freiheit für den Menschen, bei voller Verantwortung für sein Handeln. Von einem Studenten eine Gebühr für das Studium zu verlangen ist ein schwerwiegender Eingriff in die Freiheit (vielleicht sogar in die grundgesetzliche Berufsfreiheit?) und nicht hinzunehmen. Wer ist der Staat, dass er mir vorschreiben will, wie ich mein Studium verbringe? Wenn ich Studiengebühren bezahlen müsste, dann werde ich gezwungen einen Teil meiner Zeit nicht dem Studium zu widmen, sondern das Geld aufzutreiben, um die Gebühren zu bezahlen. Eine Gebühr für die ich keinen Gegenwert bekomme. Für Liberale könnte die Argumentation hier schon beendet sein, aber ich lege noch einen drauf. Auch ökonomisch ergeben Studiengebühren nämlich keinen Sinn.
Ja es stimmt, dass Studenten, insbesondere wenn sie ein zeitaufwändiges Studium haben, nicht arbeiten und eine öffentliche Leistung in Anspruch nehmen. Aber wenn man behauptet, Studenten würden keine Steuern bezahlen stimmt das schon nicht. Mindestens die Mehrwertsteuer für Bücher, Stifte, Laptop, Mensaessen, etc. fällt an. Darüber hinaus ist der “Wert” eines Studenten nicht nur in den Opportunitätskosten zu messen, die anfallen, weil er nicht arbeitet. Üblicherweise verdienen Akademiker nach dem Studium mehr, zahlen also mehr Steuern. Akademiker sind üblicherweise gesünder und fallen den Krankenkassen weniger zur Last. Auch prägen eine Universität und Studenten eine Stadt. Die indirekten Beiträge der Studenten zur Allgemeinheit sind viel stärker als üblicherweise angenommen. So profitiert auch die nicht-studierte Bevölkerung von kleinen Studentenkneipen, den Steuerzahlungen von Discos oder dem Ausbau des ÖPNV. Diese Effekte sind natürlich schwierig zu messen und quantifizieren, aber zweifellos vorhanden. Aber sie sind wohl noch schwieriger einem Nicht-Akademiker zu vermitteln.
Der wichtigste ökonomische Grund ist aber, dass Wissen (als Humankapital) oder der aus Wissen folgende technische Fortschritt die Grundlage von dauerhaftem Wirtschaftswachstum sind (z.B. Romer 1986, Lucas 1988 oder Romer 1990). Oder etwas anders gesagt: je schlauer die Leute sind, desto mehr hat die Allgemeinheit davon. Die Studenten also vom Studieren abzuhalten oder beim Studieren zu behindern ist nicht nur gesellschaftlich falsch sondern auch ökonomisch dämlich.
Auch wenn die ältere Dame diesen Blogeintrag wohl nie lesen wird, sei an ihre Adresse stellvertretend für alle Studiengebührbefürworter gesagt: Wenn man keine Ahnung hat…

Kamp! – Breaking a ghost’s heart [brn005]

Schade, dass ich das kleine polnische Electro Netlabel Brennnessel nicht schon früher entdeckt habe. Sonst hätte ich viel früher die coolen Electro-Dance-Clash-Pop Tracks hören können, die es dort wie üblich für umme gibt.
Ein Release hat es mir dabei besonders angetan: “Breaking a ghost’s heart” von “Kamp!”. Das ist Electropop vom feinsten. Die kleine Single besteht aus dem namensgebenden Titel “Breaking a ghost’s heart” in einer knapp 10 Minuten langen Clubversion, einem Radio Edit und der B-Seite “Le Jaguar”.
Beide Titel sind so gut und eingängig, dass sie sich nicht vor den Großen des Electropops, wie Pet Shop Boys, Roisin Murphy oder Justice verstecken müssen. Schräg, groovend und mit einem Schuss 80er. Perfekt.

Kamp! – Breaking a ghost’s heart [brn005]
leider ist kein direkter Link möglich, da  Brennnessel eine Flashseite ist… 🙁

Behringer BCD-2000 und Linux

Ich dachte mir, ich komme mit dem Jahreswechsel auch DJ-mäßig endlich im 21. Jahrhundert an und steige von Timecode-Platten auf volldigitales Auflegen mit einem USB-DJ-Controller um. Gesagt, getan, ich investierte ein Teil des Weihnachtsgeldes in den Behringer BCD-2000. Dies ist die Geschichte.

3.1.2011, 17:48
Ich bestelle den Behringer BCD-2000 beim Musik-Hardwarehändler meines Vertrauens.

8.1.2011, 11:34
Der Postbote bringt mein letztes Weihnachtsgeschenk. Yippie gleich kann’s scheppern. Ich packe aus und schließe an.

11:35
Nix passiert. Scheiße.
11:36  
Ich begebe mich auf die Netzsuche nach Problemlösungen und stolpere relativ schnell auf einen Bugreport bei Launchpad, der BCD2000 arbeite nicht unter Maverick. Und da das ein Kernel-Problem ist, wohl auch unter keiner anderen Distribution. Man sagt, der BCD2000 wäre nicht USB-compliant. Danke Behringer für’s ignorieren sinnvoller internationaler Standards.
13:00 
Ich beginne damit alles für meinen Blog zu protokollieren.
13:03 
Mein nächstes Ziel ist behringer.de auf der Suche nach technischen Daten, wie dem verbauten Chip, damit ich vielleicht ein generisches Kernelmodul nachladen kann, um den BCD-2000 so zum laufen zu bringen.
13:12 
Behringer will’s nicht rausrücken. Allgemein ist die Information über technische Daten sehr dünn. Dass das Teil ein USB-Chip ist, weiß ich…
13:22 
Versuche wenigstens die MIDI-Fähigkeiten des BCD2000 zu bekommen. Auch hier kein Erfolg, da kein MIDI-Gerät erkannt wird.
13:30 
Ich gebe auf. Behringer hat gerade einen Kunden verloren. Schade für Behringer, ich hatte überlegt mir einen kleines Studiomischpult von denen zu kaufen.
Ich werde Behringer einen netten kleinen Brief schreiben und mich über deren Produktpolitik beschweren. Ich kann ja einigermaßen nachvollziehen, dass Behringer kein Bock hat, für die paar Linux-Benutzer da draußen einen Treiber zu schreiben. Aber warum halten Sie sich dann nicht an die Standards, so dass es ohne zutun läuft? Aber wie kann man denn als Musiktechnikunternehmen so dämlich sein, und auch Mac OSX nicht unterstützen? Nicht das OSX jetzt ein besonders herausragendes Betriebssystem wäre, aber viele DJs und Musikproduzenten haben nunmal Macs. Nimmt man jetzt noch die Tatsache hinzu, dass die Behringer-Hardware unter Windows 7 nur im Kompatibiltätsmodus läuft und unter Windows 7 64bit gar nicht, zeigt das nur, dass Behringer was die Produktpolitik und den Support immer noch etwa im Jahre 1997 festhängt. Ein solches Unternehmen hat es verdient vom Markt zu fliegen.

 

Kommunismus war scheiße, ist scheiße und bleibt scheiße

Sorry für die drastische Formulierung der Überschrift, aber in einige Ewiggestrige geht es wohl nicht anders rein, als über unverblümte, schonungslose, brutale weil ehrliche Bestandsaufnahme.

Wieso sollten wir “Wege in den Kommunismus” finden wollen, wie es Frau Lötzsch fordert, wenn wir sehen wie der Kommunismus überall auf der Welt endete?
Die DDR, die Sowjetunion und der gesamte europäische “Ostblock” waren Beispiele dafür, was passiert, wenn linke Spinner zuviel Macht bekommen. Unrechtsstaat, keine Demokratie, Menschenrechtseinschränkungen, heruntergewirtschaftet und letzen Endes an inneren Spannungen zerbrochen.
Der Zusammenbruch der Sowjetunion hinterließ an vielen Stellen Brandherde, die die Welt noch heute beschäftigen oder den Menschen in diesen Gegenden noch heute ihre Freiheit nicht zukommen lassen. Die jüngsten Wahlfälschungen in Weißrussland seien nur mal beispielhaft genannt.
In China geht es den Menschen nur deswegen (wirtschaftlich) etwas besser, weil die Kommunisten dort die härtesten Kapitalisten der ganzen Welt sind. Aber China bleibt eine menschrechtsverachtende Diktatur.
Über Nordkorea und seine Bande von Irren, die dort die Menschen unterdrücken müssen wir gar nicht reden.
Kuba hat mit dem Interimspräsidenten Raul Castro eine kurze Blüte erlebt, weil dieser die Gründung von Kleinstunternehmen erlaubt hat. Kaum ist der große Bruder Fidel zurück, geht’s wieder abwärts. Mal abgesehen ist das ein völlig undemokratischer Vorgang, wenn zwei Brüder sich im Präsidentenamt abwechseln. Aber Hey… Kommunismus! Da geht sowas!

Muss ich weitermachen? Ich denke nicht.

Sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich erzeugten alle kommunistischen Experimente bisher nur Chaos, Leid, Unterdrückung und Armut. Die Wege in den Kommunismus führen also alle in den Abgrund. Ausnahmslos.

Frau Lötzsch spricht im Beitrag in der Jungen Welt auch noch vom “demokratischen Sozialismus”.  Mit Verlaub, dämlicher geht es nicht. Es kann kein demokratisches und sozialistisches System geben. In einer Demokratie haben die Bürger die Wahl zwischen allen möglichen politischen Richtungen, und dazu gehören auch politische Kräfte, die dem Sozialismus ablehnend gegenüberstehen. Früher oder später wird ein “Demokratischer Sozialismus” also entweder seine Demokratie verlieren, weil andere politische Meinungen unterdrückt werden (Menschenrechte?) oder seinen Sozialismus, weil andere politische Kräfte die Demokratie und die Freiheit sichern. Liebe Linke: Ihr müsst wählen, entweder Freiheit, Demokratie und Marktwirtschaft oder Unterdrückung, Diktatur und Kommunismus. Wenn ihr letzteres wollt könnt ihr ja gerne nach Nordkorea gehen. Mal sehen ob an der Universität Pjöngjang auch Aufkleber mit “Kommunismus Scha-la-la-la-la!” geduldet werde oder ob’s dafür nicht 10 Jahre Arbeitslager gibt.
Zum Schluss, liebe Frau Lötzsch: Die Aufregung des “Establishments” über Ihren Beitrag sind kein Zeichen von Unsicherheit über den Kapitalismus, sondern sind ein Zeichen dafür, dass die freiheitlichen Kräfte in Deutschland stark sind und genau wissen, was passiert, wenn Meinungen für eine “größere Sache” unterdrückt werden.

Bild: Liberale Hochschulgruppen

Shotwell

Shotwell ist eine Fotoverwaltungssoftware genau wie ich sie mag. Klein, schlank, schnell, mächtig und trotzdem simpel zu bedienen. Seit Ubuntu 10.10 Maverick ist Shotwell zu Recht die Standardsoftware für die Fotoverwaltung unter Ubuntu. Klar gibt’s noch F-Spot, Digikam, Picasa und Co. Aber keine von denen kommt an die Leichtigkeit von Shotwell heran.
Es organisiert die Fotos in beliebig benennbaren Ereignissen (z.B. Heiligabend, Papas Geburtstag, Frühling in Mainz, etc.) Auf der Festplatte liegen die Fotos in einer sehr übersichtlichen Struktur vor. So sind meine Fotos von Heiligabend unter ~/Bilder/Digitalkamera/2010/12/24 abgelegt. Praktisch. Das gleiche gilt auch für Videos, mit denen Shotwell seit der aktuellen Version 0.8.0 umgehen kann.
Trotz Beta-Status ist Shotwell sehr stabil. Abgestürzt ist es noch nicht. Ich verwende es seit ungefähr einem halben Jahr. Wieso schreibe ich ausgerechnet jetzt einen Artikel darüber?
Ich habe gerade die Fotos von Silvester von meiner Kamera in Shotwell importiert. Und wie das an Silvester nunmal so ist gibt es Fotos vor und nach Mitternacht. Shotwell ist aber so schlau und macht ein Ereignis daraus und hängt es unter 31. Dezember 2010 ab. Cool.
Vielleicht sind andere Programme genauso schlau, aber hier fiel es mir gerade auf und das brachte mich dazu einen kleinen Artikel zu schreiben.
Shotwell ist hervorragend in Ubuntu eingebettet. Wenn eine Kamera angestöpselt wird, fragt Ubuntu, ob Shotwell für den Import der Bilder gestartet werden soll. Man kann das Hintergrundbild direkt aus Shotwell heraus festlegen und die Funktion “Bild mit externem Editor öffnen” zeigt auf den jeweils eingestellten Bildbearbeiter (bei mir ist das GIMP).
Darüber hinaus kann Shotwell in Flickr, Facebook und Picasa Web Galleries exportieren und Videos bei Youtube hochladen. Weitere Anbindungen sollen folgen.
Was mir noch fehlt, ist eine mächtige Stapelverarbeitungsfunktion. Vielleicht schauen sich die Leute von Yorba (dem Entwicklerteam) mal Phatch an und übernehmen dort Ideen und/oder Source-Code. Freie Software machts möglich. Shotwell steht unter der GPLv2 und kostet nix.

Das war mein erster Artikel zu kleinen Linux-Anwendungen, die mich entweder in Erstaunen versetzen, mir das (Computer)-Leben ungleich einfacher machen oder einfach nur klasse sind.

Früher, als ich noch jung war…

Oh, Opa erzählt vom Krieg?
Nicht ganz. Heute morgen war ich shoppen und habe gewartet, dass der Laden aufmacht, in den ich wollte. Um die Zeit nicht in der Kälte verbringen zu müssen, bin ich in den benachbarten Spielzeugladen gegangen. Und stelle fest, dass das Spielzeug immer bunter, schreiiger und lauter (mancher würde unnützer noch hinzufügen wollen) wird. Da sind zum Beispiel die Kosmoskästen. Ich hatte die großen Elektronik-Kästen, mit denen man Flip-Flop-Schaltungen, Summer und Radios bauen konnte. Heute fallen die in die Kategorie “Profi”. Für professionelle 10-Jährige also. Die “normalen” Kästen sind heute Kristalle züchten und Urzeitkrebse. Nichts gegen Kristalle und Urzeitkrebse, aber das gab’s schon im Yps-Heft vor 20 Jahren und war da schon langweilig.
Gegenüber gibt’s Lego. Und Lego ist sowieso das geilste Spielzeug überhaupt. Aber früher war’s besser. Früher, als ich noch jung war, da waren die Zugbrücken bei den Burgen noch zum hochleiern. Und 2011? Ein popliger Hebel, den Robin Hood und seine Bande in nullkommanix umgelegt hätten. Und Fallgatter gibt es neuerdings als Fertigbauteil. Bei meiner ersten Lego-Burg habe ich das Fallgatter noch mit den kleinen, flachen, schwarzen Einsern und Winkeldreiern selbst gebaut.
Heute gibt’s übrigens auch Windräder als Lego-Bausatz. Nein, nicht die aus dem Western-Programm, sondern aus Stadt. Für das grüne Öko-Gewissen. Ich warte noch darauf, dass die kleinen weißen runden transparenten Bausteine, die ich noch als Lampen verwendet habe, durch Energiesparbauteile ersetzt werden. Bin gespannt was als nächstes kommt. Vermutlich der Castor-Behälter für die Lego-Eisenbahn. Komplett mit protestierender Horde. Ach nee. Die Lego-Eisenbahn wird ja eingestellt, weil die Lego-Demonstranten gegen den neuen Bahnhof protestiert haben.

Aber das allerschärfste kommt noch. Während die Lego-Polizisten früher hinter Gangstern mit fiesem Grinsen und Stoppelbart her waren, haben die Lego-Polizisten von heute: Richtig, eine Radarfalle.

Frohes neues Jahr! 🙂

PS: Der Polizist und die Radarfalle hab ich mal eben selbst gebaut.