Der geschützte Wahnsinn

Ich habe ja prinzipiell nichts gegen Patente. Ganz im Gegenteil, viele makroökonomische Wachstumsmodelle basieren auf der Möglichkeit, dass der Staat ein zeitlich begrenztes Monopol erlaubt, indem er Patente auf Neuentwicklungen gewährt. Dadurch können die Unternehmen Gewinne machen, Forschungskosten wieder hereinholen und alle freuen sich über den technischen Fortschritt und das endogene Wachstum. So weit, so gut, aber was sich einige Unternehmen, insbesondere der Elektronikbranche leisten, hat mit Kurzzeitmonopolen zur Entwicklung nichts mehr zu tun. Die Streitigkeiten zwischen Apple und Motorola, SCO und Novell, usw. erinnern mich eher an Kindergarten.
Die Schuld liegt weniger bei den Unternehmen, die ihre Patentansprüche durchsetzen wollen, auch wenn man bei einigen, durchaus renommierten Firmen wohl auch von “Patenttrollen” reden könnte. Ich sehe die eigentliche Verantwortung bei den US-Patentbehörden, die offensichtlich jeden Mist patentieren. Ob das im Sinne des Wachstums ist, wenn Patente, die eigentlich eine Entwicklung profitabel machen sollen, dazu verwendet werden, den Fortschritt anderer Unternehmen zu torpedieren? Die einzigen, die sich freuen sind die Patentanwälte.
Ich frage mich, warum noch keiner auf die Idee gekommen ist, das Pflügen von Feldern patentieren zu lassen. Und dann fröhlich jeden anderen Bauern zu verklagen, der seine Felder auch pflügt.
Die Patentbehörden sollten in Zukunft besser mal drüber nachdenken, welche Erfindungen tatsächlich im Sinne der Fortschrittsentwicklung sinnvoll sind und welche nur dazu dienen, andere Unternehmen aus dem Markt zu drängen und somit den Wettbewerb zu behindern.
Vielleicht ist es an dieser Stelle auch bedenkenswert, die Patenterteilung den Wettbewerbs- und Kartellbehörden zu überlassen. Immerhin geht es bei Patenten auch um Wettbewerbs- und Marktstrukturen. Das können wohl Wettbewerbshüter besser entscheiden, wo ein Patent sein muss und wo nicht.

Ben Rama – The Invisible Kingdom [DRMF04]

Heute abend gibt’s wieder Geschepper auf die Ohren. Die aktuelle Drumlore, ist zwar schon aus dem September, aber deswegen nicht weniger gut.
“Ben Rama – The Invisible Kingdom” bewegt sich irgendwo zwischen Progressive House, Deep Trance und Techno. Wurschtegal, welches Genrelabel man dieser 4-Track EP aufkleben will, es ist und bleibt handfestes Beatmaterial für die dunkleren Stunden der Nacht. Besonders angetan hat es mir der Eröffnungstitel “Welcome OM”, der neuneinhalb Minuten lang dahergroovt, sanfte Pads, treibende Arpeggien und knackige Breaks kombiniert.
Wer auf treibende Beats mit Groove und leichten House-Anleihen steht, der wird hier voll auf seine Kosten kommen.

Ben Rama – The Invisible Kingdom [DRMF04]

Mary Cigarettes – Burning Bridges That Never Really Mattered [corpidex030]

Herzzerreißend.
Das ist wohl das einzige Wort, das auf das aktuelle Release von Corpid Extra passt. Mary Cigarettes ist ein Singer/Songwriter aus London, der mit “Burning Bridges That Never Really Mattered” eine klassische A/B-Single abgeliefert hat, die zumindest mir sofort ins Ohr und ins Herz geht. Ich fühle mich ein bisschen an James Morrison erinnert, und das ist nichts Schlechtes. Hier gibt es radiotauglichen Pop mit Seele auf einem Netlabel. Absolut empfehlenswert!

“Burning Bridges That Never Really Mattered” ist ein Midtempo-Song, der beschwingt und locker daherkommt, aber dann hört man Mary Cigarettes’ warme Stimme, über falsche Freunde und gute Miene zum bösen Spiel singen. Ein kleines Meisterwerk.

Die B-Seite ist ein Song, der ohne Drums unter die Haut geht. Mary Cigarettes schreibt auf Corpid, er hoffe, dieser Song würde die Menschen zum weinen bringen. Bei mir hat er es beinahe geschafft. “Whatever Turns You On” besticht durch sanfte Hintergrundflächen. Und auch wenn man manchmal ein leichtes Zittern in der Stimme in den höheren Lagen hört… Gute Musik muss nicht technisch perfekt sein und manchmal sind es solche kleinigkeiten, die einen Song lebendig machen.

Zum Release: http://www.corpid-label.de/releases/cx030/cx030.htm
Mehr von Mary Cigarettes auf MySpace: http://www.myspace.com/marycigarettes

Steuergeschacher

Es ist absolut unglaublich. Wir waren mal bei “Einfach. Niedrig. Gerecht.”
Und jetzt?
Jetzt wird eine Senkung der Ökosteuer (wieviel will der Finanzminister nicht sagen) gegen eine Erhöhung der Tabaksteuer (500 Millionen Euro) gegenfinanziert. Auch wenn das Wort Steuergeschenk im liberalen Sinne, sowieso unsinnig ist, hat dieses Geschacher doch mehr als ein Geschmäckle der Lobbypolitik. Schwerindustrie gegen Raucher. Erstere haben die deutlich bessere Lobby. Dass beide Steuern Pigou-Steuern sind und damit per se illiberal, scheint der “liberale” Koalitionspartner zu vergessen oder zu ignorieren. Beides ist unentschuldbar.

Was soll dieses Gemurkse? Hat die Bundesregierung und insbesondere die FDP nichts aus dem Hotelier-Desaster gelernt? Warum liefert diese Bundesregierung der rot-rot-grünen Chaos-Opposition eine Steilvorlage nach der anderen? Ist ja nicht so, dass 2011 Landtagswahlen in einem Drittel der Bundesländer sind… Völlig unwichtig.

Ich habe eigentlich gedacht alle Unkenrufe der Lobbypartei und Umfallerpartei wären mit der modernen, neuen, liberalen(!) FDP aus dem Bundestagswahlkampf Schnee von gestern. Leider Pustekuchen. Ich bin inzwischen persönlich beleidigt von meiner Parteiführung. Ich habe im Wahlkampf meinen Freunden und Verwandten versprochen, dass die nötigen Reformen kommen werden, wenn sie nur FDP wählen. Ich habe liberale Politik erklärt und mich auf den einen oder anderen Streit mit alten Sozen eingelassen, um das Programm der FDP zu verteidigen. Und wofür? Für das Entwicklungshilfeministerium?! Für das Durchwinken von Bundespräsident Wulff?! Für unnötiges Pöbeln mit spätrömischer Dekadenz?!
Wohl kaum…

Tarifautonomie

Ich frag mich manchmal, ob einige Bundespolitiker wissen was das Wort bedeutet. Dass linke und grüne es nicht wissen, ist klar, so oft wie die Mindestlöhne fordern. Aber Rainer Brüderle?! Was macht dieser Mann? Wenn er nichts zu sagen hat, könnte er doch einfach mal ruhig sein! Ich würde mir wünschen, Guido Westerwelle oder Angela Merkel würden ihn zurückpfeifen. Die FDP steht wie keine andere Partei mehr für die Tarifautonomie und zwar zu Recht! Ich verstehe nicht, was in Herrn Brüderle vorgeht, wenn er solche Statements von sich gibt. Hat er unser Programm nicht gelesen?
Wenn Tarifparteien sich auf höhere Löhne einigen ist das völlig in Ordnung, ebenso wenn sie sich nicht darauf einigen. Es steht der Politik nicht zu, sich die Tarifverhandlungen einzumischen, auch wenn man der Meinung ist, dass es sinnvoll wäre, wenn die Löhne steigen würden. Und Rainer Brüderle als Diplom-Volkswirt müsste eigentlich wissen, dass durch solche Bemerkungen von seiten eines Bundeswirtschaftsministers die Erwartungen an die Lohnhöhe steigen und das kann zu adversen Effekte wie zu hohen Abschlüssen führen, weil die Gewerkschaften sich bestätigt sehen und die Arbeitgeberverbände einem öffentlichen Druck ausgesetzt sind. Die Folgen können dann wieder sinkende Wettbewerbsfähigkeit, steigende Preise und Arbeitslosigkeit sein.

Artikel auf FAZ.net, 7.10.2010 http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A389A8DC6C23161FE44/Doc~EC0B4D55921C7499D827C94992F1C6ACC~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Über Fußgängerampeln


Heute morgen habe ich eine Fußgängerampel überquert. So eine zum drücken. Ordentlich und pflichtbewusst, wie ich nun mal bin, drücke ich den Knopf und warte, bis ich grün bekommen. Ich weiß, ich weiß, ich bin ein leuchtendes Vorbild für die Kinder unseres Landes 🙂
Spaß beiseite.
Dabei fällt mir auf, dass viele Autofahrer nochmal extra Gas geben, um noch “drüberzuhuschen”. Und mal ganz ehrlich, wenn ich der Autofahrer bin, dann mache ich das auch. Und du auch!
Jetzt stellt sich also die Frage: Ist eine Fußgängerampel, entgegen ihrer eigentlichen Aufgabe, Fußgänger zu schützen, eine Gefährdung für die Verkehrssicherheit, weil sie zum Rasen verleitet?