Wieso wollen wir eigentlich Staaten retten?

Alle bisherigen Maßnahmen zur Beseitigung der Eurokrise, seien sie krude Ideen oder bereits implementiert, haben einen zentralen Punkt: Die Sicherung der Eurozone in ihrer aktuellen Zusammensetzung ohne, dass ein Mitgliedsland den Zahlungsausfall vermelden muss. Dieser Punkt sorgt für Umverteilung. Ich meine dabei nicht die Umverteilung von Nord nach Süd, sondern die Umverteilung von den Bürgern hin zu den Regierungen.

There is no free lunch

Jeder Bailout wird mit Steuergeldern finanziert, sei es direkt oder indirekt. Jedes Anleihenprogramm und jede Zinssenkung der EZB wird von den Sparern und Kreditgebern bezahlt. Die EZB greift damit nicht nur in den Preisfindungsmechanismus ein, sondern auch in die Planungen und Erwartungen  der Bürger. Eigentlich ein ungeheuerlicher Vorgang.

Damit es völlig klar ist: There is no free lunch. Jede „Rettung“ – und sei sie noch so ausgeklügelt – wird letzten Endes von den Bürgern bezahlt. Über Steuern, weniger Zinserträge, Inflation, Arbeitslosigkeit, sinkende Löhne, usw.

Die Politiker entscheiden, wegen ihrer Eitelkeit keinen Zahlungsausfall eines Landes hinnehmen zu müssen, mit dem Geld der Bürger die maroden Staaten zu retten, die nicht in der Lage waren ihre intertemporale Budgetbeschränkung zu beachten. Besonders deutlich sieht man das an den Griechen und Spaniern, die nun innerhalb von kürzester Zeit die Suppe auslöffeln dürfen, die ihnen Jahrzehnte der Misswirtschaft eingebrockt haben.

Zugegeben, die Griechen und Spanier haben ihre verschwenderischen und nichtsnutzigen Regierungen auch gewählt und zugelassen, dass sich Korruption und Misswirtschaft breit machen. Aber dennoch: Wäre es nicht weitaus sinnvoller, die Menschen anstatt die Staaten zu retten? In Spanien wächst eine desillusionierte, verlorene Generation heran – das ist sowohl aus ethischer, als auch aus ökonomischer Sicht völlig unhaltbar.

Warum nehmen wir nicht das Geld der EFSF und garantieren alle Spareinlagen der Bürger und Unternehmen und schicken die verschwenderischen Staaten in die Insolvenz? Das wäre ein Ende mit Schrecken, aber die Spareinlagen wären sicher, die Schuldenlast weg. Die Krisenländer wären zwar auf einige Zeit vom Kapitalmarkt abgeschnitten, aber könnten sich wirtschaftlich erholen und neu ausrichten. Die Unsicherheit wäre beseitigt, die EZB wäre nicht mehr erpressbar und die von den Gründervätern des Euro vorgesehene Variante des Trilemmas (No Exit, No Bailout) wäre marktkonform erfüllt.

Was habe ich übersehen? Wo sind die Risiken bei diesem Szenario und sind sie es wert? Ich freue mich auf Deine Kommentare.

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Veröffentlicht von

Benjamin

Bloggt über Wirtschaft und Politik. Nimmt Ordnungspolitik ernst. Promoviert über Währungsunionen. Blogs about Economics and Politics. Takes Ordnungspolitik seriously. Studies monetary unions for his doctorate.