Monopole und Marktversagen (I)

Ein Monopol, von griechisch monos (einer) und polein (verkaufen), ist eine Marktsituation bei der vielen Nachfragern nur ein Anbieter gegenübersteht.

Da dieser durch Marktbeobachtung ein recht gutes Bild von der Preisabhängigkeit der Nachfrage haben wird, kann er seinen Preis strategisch so optimieren, dass er den maximalen Gewinn erwirtschaftet. Das heißt nicht, dass ein Monopolist die komplette Zahlungsbereitschaft aller Nachfrager abgreift. Es wird auch in einem Monopolmarkt Nachfrager geben, deren Zahlungsbereitschaft so hoch ist, dass sie eine Konsumentenrente bekommen.So weit, so gut. Das steht aber auch in jedem einführenden Mikroökonomie-Lehrbuch. Aber woher kommen die Dinger?

Da gibt es mehrere Varianten von Monopolen. Das erste und wohl übliche ist ein temporäres Monopol, z.B. aufgrund von technologischer Überlegenheit. Da könnte man z.B. das iPad von Apple nennen, das 2010 einfach das einzige Produkt seiner Art war. Apple hatte technologische Überlegenheit, bis andere Hersteller mit Konkurrenzprodukten auf den Markt kamen.

Eine weitere Variante ist ein staatlich gewährtes Monopol, üblicherweise durch Patente. Um Unternehmen einen Anreiz zu geben hohe F&E-Kosten auf sich zu nehmen, wird ihnen ein temporäres Monopol gewährt. Potentieller Konkurrenz wird so das Free-Riding der Grundlagenforschung verwehrt. Hier könnten Wettbewerber effizient in den Markt eintreten und den Preis senken. Das wäre aus gesamtwirtschaftlicher Sicht aber ineffizient, weil es den Anreiz für F&E verringert. Der Klassiker unter den Beispielen ist die Pharmaindustrie, mit sehr hohen Fixkosten für die Medikamentenentwicklung. Deren Gewinne, die die F&E-Ausgaben decken müssen sind durch Generika-Hersteller bedroht. Daher wird ein Patent gewährt, um die Forschung lohnenswert zu machen. (Ob das gerade bei Medikamenten ethisch zu rechtfertigen ist, steht auf einem anderen Blatt.)

Ein dritte Variante ist die monopolistische Konkurrenz. Da gibt es zwar genügende Konkurrenz für eine Produktklasse, aber eben nur jeweils einen Anbieter, der eine Marke anbietet. Im Beispiel von oben: Inzwischen gibt es recht viele Tablets, doch nur Apple bietet das iPad an. Und nur Samsung das Galaxy. Das ist ausreichend, um die Preise ein wenig über die vollständige Konkurrenz zu heben. Diese Art der monopolistischen Konkurrenz möchte ich gerne als Markenmonopol bezeichnen (gibt’s einen etablierten Begriff dafür?). Dann gibt es noch die Art der monopolistischen Konkurrenz, bei der die Fixkosten nur eine gewisse (geringe) Anzahl an Anbietern erlauben. Das möchte ich eigentliche monopolistische Konkurrenz nennen.

Die letzte Variante ist das natürliche Monopol, das immer dann auftritt, wenn die Fixkosten in einem Markt so gigantisch hoch sind, dass der Markteintritt auch nur eines einzigen Wettbewerbers schon ineffizient wäre. Hier ist das Monopol tatsächlich, die einzige Marktform, die ein bestimmtes Produkt überhaupt anbieten kann. Ein solches natürliches Monopol leidet zwar an den selben gesamtwirtschaftlichen Ineffizienzen, aber es ist fundamental unterschiedlich zu einem Monopole durch Technologie oder Patent. Es ist ein Grenzfall der eigentlichen monopolistischen Konkurrenz in dem Sinne, dass das Marktgleichgewicht genau ein einziger Anbieter ist.

Nun stellt sich bei Monopolen immer die Frage nach dem Marktversagen. Für alle vier Fälle lässt sich das Versagen des Marktes verneinen. Das technologische Monopol ist kein Marktversagen. Ein Anbieter ist eben besser und schneller gewesen. Das ist Schumpeterismus in Reinform. Das Patentmonopol ist auch kein Marktversagen, sondern beseitigt das Marktversagen durch Free-Riding. Schlecht wird es dann, wenn diese Monopole ausgenutzt werden, um die Markteintrittsbarrieren zu heben, etwa durch restriktive Lieferverträge. In solchen Fällen ist dann tatsächlich ein staatlicher Eingriff von Nöten, um die Markteintrittsbarrieren zu korrigieren, nicht aber um das Monopol selbst abzuschaffen.

Beim natürlichen Monopol ist das Marktergebnis effizient, weil die Marktstruktur nicht mehr als einen Anbieter zulässt. Da könnte man jetzt darüber reden, ob man es regulierungsseitig gestatten möchte, dass dieser natürliche Monopolist seine Monopolmacht auch ausnutzt.

Die eigentliche monopolistische Konkurrenz ist nur dann ein versagender Markt, wenn es zu Absprachen der Unternehmen kommt. Reine strategische Interaktion ist keine Marktversagen.

Monopole sind also nicht schlecht per se, bedürfen aber genauer Beobachtung, damit sie ihre Macht nicht über das eigentliche Monopol hinaus ausüben.

Dankeschön and @RainerGrossmann und @FreiOekonom für die anregende Diskussion auf Twitter.

In einem zweiten Teil werde ich mich mit weiteren Theorien zu Monopolen auseinandersetzen, etwa den contestable markets von Baumol. Bis dahin freue ich mich auf Eure Kommentare.

 

Veröffentlicht von

Benjamin

Bloggt über Wirtschaft und Politik. Nimmt Ordnungspolitik ernst. Promoviert über Währungsunionen. Blogs about Economics and Politics. Takes Ordnungspolitik seriously. Studies monetary unions for his doctorate.

Ein Gedanke zu „Monopole und Marktversagen (I)“

  1. Das mit dem Marktversagen bei natürlichen Monopolen müssen wir nochmals besprechen! ^^

    Am besten indem wir uns die verschiedenen Konstellationen und die „Angreifbarkeit“ – vereinzelt ist wohl auch von „Resistenz“ die Rede – des natürlichen Monopols genauer vor Augen führen.

    Es bliebe abschließend die Frage zu klären, ob es auch „multiresistente natürliche Monopole“ gibt… ;D

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