Leseempfehlung: „Die Schweiz ist ein Vorbild für Europa“

Das steht heute in der FAS. Thomas Mayer schreibt über den schweizer Währungsraum und warum der so gut funktioniert. Tenor des Ganzen ist die Subsidiarität. Die Kantone können mehr oder weniger machen was sie wollen, müssen aber auch dafür gerade stehen, weil der Bund und die anderen Kantone nicht haften.

Mayers Weltwirtschaft: Die Schweiz ist ein Vorbild für Europa

Prinzipiell stimme ich Herrn Mayer da zu. Die sicherste und marktgerechteste Art, Staaten oder Gliedstaaten zur fiskalpolitischen Ordnung zu bringen ist, sie den Murks selbst ausbaden zu lassen. Da steckt natürlich das uralte marktwirtschaftliche Prinzip dahinter, dass Entscheidung und Verantwortung niemals getrennt werden dürfen, weil sonst externe Effekte entstehen.

Ich bin mir aber nicht sicher, ob man aber das schweizer Modell auf die Eurozone übertragen kann. Mir fallen ein paar Gründe ein, warum das nicht sein könnte. Nun bin ich kein Schweiz-Experte. Wenn also jemand da genaueres drüber weiß, dann schreibt es mir bitte in die Kommentare.

  1. Ist die Schweiz nicht deutlich homogener als die Eurozone?
  2. Die Schweiz hatte 800 Jahre Zeit eine „Willensnation“ zu werden und nicht gerade mal 60 Jahre wie der Rest Europas. Wollen wir in Europa nicht einfach zu schnell zu viel?
  3. Wie sehen die Leistungsbilanzsalden der Kantone untereinander aus? Gibt es da Daten?
  4. Begeben die Kantone eigene Staatsanleihen oder „Schweizerbonds“?
  5. Wie hoch ist die Arbeitsmobilität in der Schweiz als Ventil gegen wirtschaftliche Ungleichgewichte?

Ich werde Herrn Mayer eine eMail schreiben. Mal sehen was er dazu meint.

Update, 31.10.2012, 10:43 Uhr:

Herr Mayer hat mir geantwortet, leider nur etwas knapp. Sein zentraler Punkt ist, dass nicht einmal die Schweiz die Schulden vergemeinschaftet hat.

Was meinst Du? Ist die Schweiz ein Vorbild für die Eurozone? Oder funktioniert das schweizer Modell, weil ganz bestimmte Voraussetzungen da sind? Habe ich noch etwas vergessen? Ich freue mich auf Deine Kommentare

Veröffentlicht von

Benjamin

Bloggt über Wirtschaft und Politik. Nimmt Ordnungspolitik ernst. Promoviert über Währungsunionen. Blogs about Economics and Politics. Takes Ordnungspolitik seriously. Studies monetary unions for his doctorate.

2 Gedanken zu „Leseempfehlung: „Die Schweiz ist ein Vorbild für Europa““

  1. Das Wichtigste in der Schweiz ist die Subsidiarität. Entscheidungen werden von den Institutionen getroffen, die auch für die Finanzierung verantwortlich sind. Das ist in anderen Staaten in Europa leider nicht der Fall.
    Zu oft hat man von weniger Ausgaben nichts und Mehrausgaben fallen den einzelnen Bürgern auch nicht auf, weil alle Steuern, bildlich gesprochen, erstmal in einem großen Topf landen.

    1. In der Tat. Dahinter steht die ökonomische Erkenntnis, dass es zu suboptimalen Ergebnissen kommt, wenn man Entscheidung und Verantwortung dafür trennt. Mit dem Geld anderer Leute wirtschaftet man eben bei weitem nicht so gut, wie mit dem eigenen.
      Das ist allerdings kein Argument gegen Besteuerung per se. Es fehlt lediglich die Internalisierung in die Budgetrestriktionen der Bürger.
      Die kann man erreichen, indem man die Rückzahlung einer Anleihe steuerlich finanziert. Das entspräche der üblichen Tilgung eines Kredites: Die ganze Kohle heute, die Rückzahlung samt Zinsen wird zeitlich gestreckt. Würde man jede Verschuldung besteuern, tauchte diese auch in der Budgetrestriktion jedes Bürgers auf und die würden sich zweimal überlegen, ob Quatsch wie etwa das Betreuungsgeld wirklich sein muss. Es ginge auch, wenn neue Ausgaben steuerneutral durch Kürzungen anderswo finanziert werden müssten. Dann werden aber nur die Budgetrestriktionen der betroffenen Bürger berührt und nicht der Gesamtgesellschaft. Darüber müsste man mal debattieren.
      In Bezug zur Schweiz sollten wir Deutschen lernen, dass ein Finanzausgleich kruder Unsinn ist, zumindest so lange die Geberländer nicht entscheiden wofür die Knete ausgegeben wird. Gleiches gilt für Europa. Deswegen ist das Sperrkonto für die Griechen eine der weniger schlechten Ideen und die Transferunion eine der beklopptesten Ideen überhaupt.

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