Kern und Peripherie

Interessant, wie gut die durchschnittliche Inflation in der Eurozone die Grenze abbildet zwischen Kern (Ex-DM-Zone) und Peripherie (ClubMed + Irland). Findet ihr nicht auch?

Annualisierte Inflationsraten nach Ländern der EWWU (Quelle: EZB)
Annualisierte Inflationsraten nach Ländern der EWWU (Quelle: EZB)

Dazu passt mein Artikel, dass der durchschnittliche HICP sowieso ein schlechtes Instrument zur Messung der Inflationsrate im Euroraum ist.

Veröffentlicht von

Benjamin

Bloggt über Wirtschaft und Politik. Nimmt Ordnungspolitik ernst. Promoviert über Währungsunionen. Blogs about Economics and Politics. Takes Ordnungspolitik seriously. Studies monetary unions for his doctorate.

6 Gedanken zu „Kern und Peripherie“

  1. Mir fehlt die Wissensschärfe zu diesem Thema, sodass ich dazu keinen Kommentar geben kann. Ich melde mich, weil ich Dich bitten möchte, gelegentlich zu den Auswirkungen des permanenten deutschen Exportüberschusses für die deutsche Volkswirtschaft und für die individuell Beteiligten Stellung zu nehmen.

    1. Ach, im Vergleich zu den allermeisten Mitbürgern hättest Du mehr als genug Ahnung 🙂 Auch und gerade weil Du kein „Fachmann“ bist.

      Zum deutschen Exportüberschuss (eher ein Importdefizit, wenn Du mich fragst), hatte ich schon vor ein, zwei Jahren was geschrieben. Ich schicke Dir die Artikel per E-Mail. Aber ich werde wohl in der kommenden Woche noch etwas dazu schreiben.

  2. Das wir unterschiedlichen Druck im Euroraum haben ist ja nun keine neue Erkenntnis..
    Bezüglich deiner Kritik am dreifach gewogenen Durchschnitt des Inflationsziels der EZB muß ich aber noch etwas anfügen. Dein Stein des Anstosses ist also die unterschiedliche Inflation in den Ländern des Euroraums? Warum aber dann nicht gleich Regionen, Städte, Gesellschaftsschichten oder irgend eine andere Dimension der Unterteilung?
    Für die EZB als Raum ihres Ziels der Geldwertstabilität ist nur relevant welcher Rechtsraum den Euro als Währung führt. Die EZB ist also nicht nur von ihrem Mandat her gezwungen den Durchschnitt über alle Mitglieder zu bilden, da wir freie Kapitalströme ohne Währungsgrenzen haben kann auch volkswirtschaftlich nur der komplette Euro-Raum als Grundlage für die Eurozonen-Inflation dienen.
    Und ja, ich vermisse die Debatten beim Kaffee so sehr.

    1. Na, die Debatte hatten wir ja schon am Freitag 🙂 Nochmal die Kernpunkte. Nein, dass die unterschiedlichen Regionen auch unterschiedliche Inflationsraten haben stört mich nicht – ganz im Gegenteil: das ist notwendig. Mich stört, dass die EZB so tut als wäre alles in bester Ordnung, obwohl kaum eine Region das eigentliche Ziel von knapp unter 2% tatsächlich erreicht. Ich störe mich an der Technik. Dreifacher Durchschnitt, keine Abbildung der Streuung. Das ist für einen so heterogenen Währungsraum wie die Eurozone einfach zu grob. Was die räumliche Unterteilung betrifft, ist auch Deutschland, ja nicht mal Hessen oder Bayern ein optimaler Währungsraum. Aber dort gibts Arbeitsmobilität, die die realen (impliziten) Wecheslkurse ausgleichen. Das hast Du in Europa nur bedingt. Dein Cooper/Kempf-Argument zieht auch nur theoretisch. Irgendwann KANN kein Kapital mehr in den Kern fließen, weil die akkumulierten Leistungsbilanzdefizite der Peripherie eine Überschuldung bedeuten. Von der Liquidität und Fungibilität dieser Kapitalströme mal abgesehen. Wenn das Eurosystem nicht Target als Puffer hätte, dann wären schon soviel Kapitalforderunegn gegenüber der Peripherie aufgelaufen, dass alle Unternehmen dort pleite wären.

      Die eigentliche Frage ist: Könnte die EZB mit einer feineren Inflationsmessung bessere Geldpolitik machen, sprich die Wohlfahrt erhöhen? Ich tippe auf ja, aber das löst bei weitem nicht das Kernproblem: Die Eurozone ist einfach zu heterogen für ihre unflexiblen Arbeitsmärkte – alleine, dass es Arbeitsmärkte gibt, ist eigentlich ein KO-Argument für eine Mundellsche OCA. Wie willst Du die Ungleichgewichte der realen Wechselkurse ausgleichen, wenn nicht über die Arbeitsmärkte? Da kann die Geldpolitik herzlich wenig machen, außer Zeit zu kaufen. Und hoffen, dass keiner den Bluff sehen will.

    1. Im deflationären Umfeld der Peripherie (und auch Frankreichs) kann die EZB keine Inflation erzeugen. Da kann Herr Montebourg fordern, was er möchte.
      Siehe dazu auch mein Artikel „Wirkungslose Geldpolitik“ warum das so ist.

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