Geldbasis

Interessant ist folgender Chart:
geldbasis

Das ist die Geldbasis des Eurosystems. Von 2007 bis zum Herbst 2008 wächst die Geldmenge stabil, wie es üblich für eine gesunde Volkswirtschaft mit positiver Inflation und positivem Wirtschaftswachstum ist. Ich habe diesen stabilen Trend in Rot fortgeführt.

Dann kam die Lehman-Pleite und die EZB reagierte mit einem enormen Anstieg der Geldbasis auf 1,2 Billionen Euro (Anfang 2009) und über 1,3 Billionen Euro (Mitte 2010). Der enorme Anstieg Ende 2011 mit seinem Plateau Mitte 2012 sind die beiden langfristigen Finanzierungsoperationen (LTROs), um die Banken mit Liquidität zu versorgen

Diese beiden Bankenrefinanzierungsoperationen haben die Möglichkeit nach Ablauf eines Jahres, jederzeit zurückgezahlt werden zu können, was offenbar auch passiert ist. Seit etwa Februar 2013 haben die Banken bereits 302 Mrd. € vorzeitig zurückgezahlt.

Der Rest des enormen Rückgangs der Geldbasis seit Anfang 2013 sind geringere Hauptrefinanzierungsgeschäfte, d.h. die Banken benötigen weniger Geld als vorher. Leider stellt die EZB keine Daten zur Verfügung, die diese Zahlen regional aufschlüsseln.

Bemerkenswert daran ist die Tatsache, dass die enorme Kontraktion der Geldbasis seit Anfang 2013 nicht auf die EZB zurückzuführen ist, sondern auf die Banken.
Credit crunch wegen zu strikter Geldpolitik? Wohl kaum. Credit crunch wegen politischer Unsicherheit und fehlender Investitionsmöglichkeiten in der Peripherie? Schon eher.

Ob die endogene Kontraktion bei der Geldbasis zum Stehen kommt, die laut Trend inzwischen herrschen müsste? Ich wäre wenig überrascht, wenn die Geldbasis den Trend unterschießt, weil die Banken schrumpfen.

Veröffentlicht von

Benjamin

Bloggt über Wirtschaft und Politik. Nimmt Ordnungspolitik ernst. Promoviert über Währungsunionen. Blogs about Economics and Politics. Takes Ordnungspolitik seriously. Studies monetary unions for his doctorate.