EZB begrenzt OMT auf eine halbe Billion

Die FAZ berichtet, dass die EZB das Anleiheprogramm OMT auf 524 Mrd. € begrenzt – offenbar ein Zugeständnis an das Bundesverfassungsgericht. Diese gute halbe Billion entspräche dabei dem Volumen der ein- bis dreijährigen Anleihen von Spanien, Italien, Irland und Portugal, die „angemessen und in Tagen zählend“ auf dem Markt seien. Ist das noch „ausreichend“, wie Mario Draghi es vor einem dreiviertel Jahr beschrieb?

Zum Vergleich der ESM hat ein ähnlich hohes Volumen von 700 Mrd. €. Der Erfolg des ESM, als reines Bollwerk, das noch nicht zum Einsatz kam ist bestenfalls mickrig. Ich vermute, dass sich damit auch OMT als nicht mehr „ausreichend“ erweisen wird.

Meines Erachtens war es genau die unbestimmte Höhe von OMT, die die Akteure auf den Anleihemärkten einigermaßen beruhigt hat. Gegen die zunächst einmal unbeschränkte Liquidität der Zentralbank wollte dann doch keiner wetten – und wenn doch, dann bitteschön mit geringerem Einsatz.

Diese Höhe ist nun nicht mehr nach oben begrenzt. Oder wie Howard Wolowitz es sagen würde: „So, there IS a number!“ Diese Zahl kann jetzt in die Risiko-Zins-Modelle einfließen und die Spreads werden wohl wieder steigen.

Dennoch unterscheidet sich OMT in einem Punkt fundamental vom ESM: die Glaubwürdigkeit. Die Begrenzung des ESM ist glaubwürdig und daher ist der ESM wertlos. Ich halte dagegen die Begrenzung von OMT für unglaubwürdig und zeitinkonsistent – es ist das alte Thema der versunkenen Kosten. Wenn die 524 Mrd. € ausgegeben sein sollten, aber die Spreads sind immer noch nicht wo die EZB es gerne hätte, dann wird die Begrenzung überschritten. Da kann Karlsruhe dann soviel meckern wie es möchte.

Das Fatale ist, dass OMT, begrenzt oder nicht, ein Medikament für die falsche Krankheit ist. Völlig unabhängig davon, ob es ein sinnvolles Medikament ist, um die Krankheit der Überschuldung der Peripherie zu kurieren – was ich bezweifle.Die Peripherie leidet nur oberflächlich unter zu hoher Staatsverschuldung. Hauptsächlich ist es eine Zahlungsbilanzkrise, ausgelöst durch einen inflationären Boom. Dieser wiederum hat seinen Ursprung in der great moderation, der Zeit niedriger Zinsen, die direkt nach der Einführung des Euro kam. Um diesen inflationären Boom zu korrigieren, müssen Preise und Löhne fallen – das geht durch Deflation und Arbeitslosigkeit (ganz schlechte Idee) oder durch das Verlassen der Eurozone, mit all den Schwierigkeiten und Nachteilen, die damit verbunden sind. Aber wenigstens kann dann auch der Außenwert der Preise und Löhne in der Peripherie sinken und es muss nicht nur intern abgewertet werden.

Was meinst Du? Ändert die Begrenzung von OMT etwas? Ich freue mich auf Deine Kommentare!

Veröffentlicht von

Benjamin

Bloggt über Wirtschaft und Politik. Nimmt Ordnungspolitik ernst. Promoviert über Währungsunionen. Blogs about Economics and Politics. Takes Ordnungspolitik seriously. Studies monetary unions for his doctorate.

2 Gedanken zu „EZB begrenzt OMT auf eine halbe Billion“

  1. Hi Benni, lies dazu bitte den sehr lesenswerten artikel in der FAS von heute – Wirtschaftsteil seiten 1-3
    Gruß
    G.

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