Ein Wechselkursziel kann die Krise nicht lösen

Frankreichs Präsident Hollande hat ein Wechselkursziel für den Euro ins Spiel gebracht. Flankiert wird er dabei von französischen Ökonomen, die lieber extern als intern abwerten wollen, sprich lieber eine schwache Währung in der Tradition des Franc und der Lira hätten als Arbeitslosigkeit und sinkende Reallöhne.

Das Problem der Eurozone ist aber nicht außenwirtschaftlich und kann also auch nicht über nominale Größen der Außenwirtschaft gelöst werden. Die Eurozone hat ein Problem mit realen, binnenwirtschaftlichen Größen, nämlich den impliziten realen Wechselkursen innerhalb der Union. Da hilft es nur eine Anpassung an anderen realen Größen zuzulassen. Weil die EZB es nicht zulassen will, dass sich Buchverluste realisieren und die Anpassung über die Kapitalbilanz läuft, sinken eben die Preise in der Peripherie und eine andere reale Größe ändert sich: die Arbeitslosigkeit.

Das ist schon unerträglich genug. Nicht nur, weil die Wirtschaft schrumpft und weniger Waren verkauft werden, sondern vor allen Dingen, weil die wirtschaftliche Existenz von Menschen durch die inkompetente Europolitik reihenweise zerstört wird. In Spanien beträgt die Jugendarbeitslosigkeit 50% – eine verlorene Generation.
Und dann kommt Herr Hollande und will den Euro abwerten. Das mag der französischen Wirtschaft vielleicht kurzfristig helfen, aber es ändert nichts an den realen Ungleichgewichten, da die Kosten von den Haushalten und Unternehmen getragen werden, die Importgüter verwenden. Eines der wichtigsten Importgüter überhaupt, das Erdöl, wird in Dollar gehandelt und würde durch eine Euroabwertung teurer werden. Diese dirigistische Idee setzt der Unerträglichkeit die Krone auf.

Für die Eurozone gibt es diverse Szenarien, um die Krise zu beenden und keine davon ist angenehm und keine davon beinhaltet eine Abwertung des Euro. Die wäre zum einen nicht gerechtfertigt, weil der Leistungsbilanzsaldo der Eurozone als Ganzes kaum nennenswert ist; zum anderen könnte eine solche Abwertung auch im Sinne der Krisenlösung kontraproduktiv sein. Präsident Hollande und seine Mitstreiter übersehen, dass ein geringerer Eurokurs auch der deutsche Wirtschaft nutzt. Ein noch stärker wachsendes Deutschland ist zwar für die Deutschen zunächst gut, verstärkt aber auch die Ungleichgewichte in der Eurozone.

Um die Krise zu lösen müssen die realen Größen angepasst werden. Das geht per Staatsinsolvenz, langer deflationärer Anpassung mit hoher Arbeitslosigkeit, Transferleistungen innerhalb der Eurozone oder Arbeitsmigration. Die sauberste Lösung wäre die Staatsinsolvenz bei gleichzeitigem Schutz der wichtigen Banken mithilfe der EFSF. Aber da rede ich mir ja schon seit beinahe zwei Jahren den Mund fusselig.

Was meinst Du? Könnte ein Wechselkursziel helfen? Ich freue mich auf Deine Kommentare.

Veröffentlicht von

Benjamin

Bloggt über Wirtschaft und Politik. Nimmt Ordnungspolitik ernst. Promoviert über Währungsunionen. Blogs about Economics and Politics. Takes Ordnungspolitik seriously. Studies monetary unions for his doctorate.

2 Gedanken zu „Ein Wechselkursziel kann die Krise nicht lösen“

  1. Sehr gute Analyse, der ich im Grundsatz nur zustimmen kann. Ich muss aber noch ein paar Aspekte ergänzen, die diese Südlogik nicht gänzlich abwägig erscheinen lässt.

    Es ist zwar ricbtig, dass ein abgewerteter Euro (wofür es eigentlich durch den Saldo keine Rechtfertigung gibt) das Kernproblem innerhalb der Eurozone nicht löst, aber…

    würden davon nicht die Wirtschaft und Arbeitsmärkte aller Euro Länder, also auch die Problemländer profitieren? Innerhalb des Euro wäre das zunächst ein Win-Win.

    Wenn D anders als F auf Grund dadurch weiter gestiegener Wettbewerbsfähigkeit diese per Lohnerhöhung weiter gibt, so dass verteuerte Importe ausgeglichen wären, dann wäre das sogar ein (zugegeben etwas schräger) Beitrag zur Lösung des Kernproblems, der unterschiedlichen Wettbewerbsfähigkeit innerhalb des Euro. Die Problemländer müssten dann etwas milder und damit politisch mehrheitsfähiger an ihrer Wettbewerbsfähigkeit arbeiten.

    Risiko ist natürlich, dass die anderen Akteure auf dem Weltmarkt sich das nicht bieten lassen.

    1. würden davon nicht die Wirtschaft und Arbeitsmärkte aller Euro Länder, also auch die Problemländer profitieren? Innerhalb des Euro wäre das zunächst ein Win-Win.

      Das wäre nur dann der Fall, wenn die die Haupthandelspartner der Peripherie Länder außerhalb der Eurozone wären. Sind sie aber nicht. Für Italien sind die Haupthandelspartner Deutschland, Frankreich und die Schweiz (die einer Abwertung des Euro mit einem WK-Ziel begegnen würde) (Quelle: http://www.coeweb.istat.it/english/Performance/perf_paesi.pdf)
      Für Frankreich sind die Haupthandelspartner: Deutschland, Spanien, Italien (Quelle: http://www.imf.org/external/pubs/ft/scr/2013/cr1303.pdf)
      Bei Spanien nicht viel anders: Deutschland, Frankreich, Italien, Portugal (Quelle: https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/sp.html)

      Deutschland dagegen handelt deutlich mehr mit Nicht-Euro-Ländern, etwa UK und USA. (Quelle: http://www.telegraph.co.uk/finance/newsbysector/industry/9816643/Britain-becomes-Germanys-biggest-trade-partner-as-Berlin-London-pact-deepens.html, http://www.omfif.org/downloads/2013-04-08%20The%20OMFIF%20Commentary.pdf)

      Ein WK-Ziel für den Euro würde also Deutschland nutzen und für den Rest kaum Unterschied bringen. Daher gibts auch keine Effekte auf die Wettbewerbsfähigkeit. Dazu kommt, dass eigentlich die Löhne in der Peripherie und in Frankreich zu hoch für die Produktivität sind. Das ist ja das Problem der deflationären Anpassung: Weil nominale Löhne nach unten unflexibel sind, steigt eben die Arbeitslosigkeit. Ätzend, aber kaum zu ändern.

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