Der negative Euribor und ein Ausstiegsszenario

Gestern war also der wichtigste Interbankenzinssatz, der 3-Monats Euribor, kurzzeitig negativ. Nicht viel, aber immerhin.
Es wird immer deutlicher, dass die EZB die Geister, die sie rief nicht mehr los werden kann. Das Niedrigzinsumfeld verselbstständigt sich, schon erwarten Banken ein Fallen der Hypothekenzinsen möglicherweise in negatives Territorium.

Dennoch bleibt die wirtschaftliche Erholung in den meisten Euroländern aus. Anders in Deutschland wo der schwache Euro die an sich schon starken Exporte beflügelt. Diese Entwicklung verschärft noch die Ungleichgewichte der Wirtschaftsleistungen zwischen dem Zentrum Deutschland und der Peripherie (fast) aller anderen Mitglieder. Diese Ungleichgewichte sind in niemandes Interesse, nicht mal im Interesse Deutschlands.

Ein negativer Euribor zeigt eindeutig, dass das Problem Europas nicht etwa zu wenig Zentralbankgeld ist, sondern mieses Investitionsklima, wodurch die Kredite ausbleiben. Genügend Geld ist da, aber ohne investitionsfördernde Reformen (auch in Deutschland!) wird sich das Bild des siechenden Europas nicht ändern, selbst wenn sich Mario Draghi auf den Kopf stellt.
Gleichzeitig steigen die Aktienindizes immer weiter und immer höher wird die Fallhöhe bei einer Korrektur, die dann möglicherweise die nächste Krise auslösen wird, noch bevor die jetzige Krise ausgestanden ist.

Die EZB muss jetzt sofort damit beginnen, das QE Programm herunterzufahren und den Leitzins zu erhöhen oder per Forward Guidance einen Anstieg signalisieren. Sie würde damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Zum einen Schaden von der Wirtschaft abwenden, zum anderen den Reformdruck auf unwillige Regierungen (auch auf die Bundesregierung) erhöhen die seit Jahren und Jahrzehnten verschleppten Reformen endlich anzupacken. Nur Marktdruck ist in der Lage die Reformen durchzusetzen, die für die wirtschaftliche Erholung Eurpas notwendig sind. Das zeigen die bisherigen Erfahrungen mit den Renditen von Staatsanleihen, bevor Draghi die „Whatever It Takes“-Garantie aussprach.
Dahin müssen wir mindestens zurück, eigentlich sogar noch weiter, zu einer Zeit als die Wirtschaft so gut lief, dass die EZB bremsen musste. Ob im Frankfurter Ostend diese Erkenntnis früh genug ankommt?

Veröffentlicht von

Benjamin

Bloggt über Wirtschaft und Politik. Nimmt Ordnungspolitik ernst. Promoviert über Währungsunionen. Blogs about Economics and Politics. Takes Ordnungspolitik seriously. Studies monetary unions for his doctorate.