Der deutsche Einzelhandel

Weihnachtszeit ist Shoppingzeit. Man kann der Kommerzialisierung gegenüberstehen wie man will (ich hab kein Problem damit), aber es wird sich nichts daran ändern, dass im Advent die Innenstädte der Republik voll sind. Schön, jede Menge Umsatz, da freut sich das BIP 🙂

Und was macht der deutsche Einzelhandel (Karstadt, Kaufhof, Saturn, etc.)? Mir das vorweihnachtliche Einkaufen zur Hölle! Ich will einfach nur eine DVD kaufen. Mehr nicht. Ist das zuviel verlangt? Offensichtlich.

Mainz, der 4.12.2009, ca. 18:30 Uhr.
Ich gehe in den Saturn am Brand und dort in die DVD-Abteilung. Sind die DVDs dort nach Titel sortiert? Nö, das wäre ja zu einfach. Die sind sortiert nach… Äh… Hm… also… irgendein System steckt wohl dahinter, aber ich habs nicht gerafft. Einige „Neuheiten“ sind ein Jahr alt und andere Klassiker aus dem „CineClub“ sind von 2005. Äh ja. Wieder andere sind nach Alphabet sortiert. Andere nicht. Dreimal darf der geneigte Leser fragen, ob ich die DVD gefunden habe.
Nein, habe ich nicht. Und kein Verkäufer in der Nähe, den man fragen könnte. Nun gut, dann halt nicht. Morgen ist auch noch ein Tag.

Mainz, der 5.12.2009, ca. 10:30 Uhr
Auf dem Weg in den Kaufhof. Schnell zur Tafel an die Rolltreppe, wo denn die DVD-Abteilung ist. „Welt der schönen Dinge“? Nö. „Damenunterwäsche“? Reizvoll, aber jetzt grad nicht. „Feinschmecker“? Nein. „Sport“? Auch nicht.
Kaufhof hat keine Elektronik mehr. (Und die Bücherabteilung ist auch sehr dünn…). Frustiert gehe ich wieder und denke bei mir „Pech. Dann macht ihr mit mir eben keinen Umsatz“. Ich bewege mich zum Karstadt. Dort in die „WOM – World of Music“-Abteilung. Warum die DVDs in der Musik-Abteilung stehen bei den Spielen für Wii und Playstation, weiß wohl nur der Marketingleiter. Hier ist es das gleiche Spielchen wie im Saturn. Heilloses Durcheinander und kein Verkäufer in der Nähe, den man fragen könnte. Nur ein Typ von Mobilcom, der gelangweilt an seinem Stand steht und drauf wartet, jemandem überteuerte Handyverträge andrehen zu können. Wenn ich den frage heißt dann nur „Sorry ich bin von Mobilcom. Frag mal den Herrn da drüben“. Danke auch, ich wußte gar nicht, dass wir per du sind…

Die Geschichte ist exemplarisch für den Einzelhandel. Ich habe keine Lust mehr. Der deutsche Einzelhandel hat am 2. Adventswochenende 2009 einen Kunden verloren. Nämlich mich. Ab sofort kaufe ich nur noch im Internet ein. Mit einer schönen Tasse Kaffee in der Hand. Ich muss nicht in die Kälte und dann in überheizte Kaufhäuser. Ich such mich nicht durch dusselige Sortierungen von Waren. Ich muss keine Ware kaufen, die schon Leute vor mir anprobiert hatten. Ich finde Kram in meiner Größe. Und ich bin üblicherweise billiger dran, weil Onlinehändler keine hübschen Kaufhäuser in der Innenstadt bezahlen müssen und keine dämlichen Verkäufer haben, die nicht wissen wo in ihrem Laden was steht.

Eine Ausnahme muss ich machen: Und das ist der kleine Fachhändler um die Ecke. Dort wo du von geballter Kompetenz erschlagen wirst. Wo der Verkäufer dir zur Jeans noch ein passendes Hemd raussucht und dir dann einen guten Preis macht. Wo der Händler dir sagt, dass du dir den Midi-Controller, den du dir rausgesucht hast nicht kaufen solltest sondern stattdessen diesen hier. Man nennt das Beratung. Und dafür muss man Ahnung haben.

Exemplarisch ein Zitat von german-bash.org
http://german-bash.org/91080

Veröffentlicht von

Benjamin

Bloggt über Wirtschaft und Politik. Nimmt Ordnungspolitik ernst. Promoviert über Währungsunionen. Blogs about Economics and Politics. Takes Ordnungspolitik seriously. Studies monetary unions for his doctorate.