Das globale Geldsystem Teil 2 – Triffins Dilemma

Wenn man über das globale Geldsystem, Ungleichgewichte und die Implikationen von Staatsschulden redet, dann fällt früher oder später der Name Robert Triffin und das nach ihm benannte Dilemma. Ursprünglich bezeichnete es einen Fehler im Bretton-Woods-System, aber nach dem Zusammenbruch des BWS 1973 hat man festgestellt, dass Triffins Dilemma damit nicht auch unterging.
Das BWS war ein System fester Wechselkurse mit dem US-Dollar im Zentrum. Als monetärer Anker diente dabei Gold und die Verpflichtung der USA unbegrenzt Gold und Dollar gegeneinander einzutauschen; im festen Verhältnis von $35 pro Feinunze Gold. Robert Triffin bemerkte, dass diese Konstellation instabil war. Diese Instabilität ergab sich aus der Rolle des US-Dollars als internationale Reserve. Da der Dollar unbegrenzt, unbedingt und zum festen Kurs in Gold eingetauscht werden konnte, galten Anlagen in Dollar „as good as gold“. Die Zentralbanken
des BWS hielten also keine Goldreserven, sondern viel einfacher zu handhabende Dollarreserven, das meiste davon als US-Staatsanleihen.
Um die Weltwirtschaft am Laufen zu halten und damit auch den amerikanischen Firmen Geschäftsmöglichkeiten zu geben mussten die USA dem Liquiditätsbedarf der Weltwirtschaft gerecht werden, also immer mehr Staatsanleihen herausgeben, um den anderen Zentralbanken die
Besicherung ihrer Geldmengen zu ermöglichen. Mit der Zeit wurde deutlich, dass das VErsprechen der Eintauschbarkeit zu Gold unhaltbar war. Zum Ende des BWS waren nur noch etwa 5% der Dollarreserven tatsächlich durch entsprechende Goldvorräte gedeckt. Der Dollar hätte eigentlich gegenüber Gold und den anderen Währung des BWS abwerten müssen. Mit dem Ende der Eintauschbarkeit 1971 brach das BWS binnen zwei Jahren zusammen. Das „risikolose“ Anlageinstrument US-Staatsanleihe, das als „as good as gold“ galt, war nicht risikolos.
Eine ähnliche Situation sehen wir heute, auch ohne feste Wechselkurse und ohne Gold. Der US Dollar als Weltleitwährung bietet seinen Nutzern enorme Netzwerkeffekte. So ziemlich jeder auf der Welt akzeptiert US Dollar, also hat man einen großen Anreiz in Dollar zu handeln. Oder im Falle von Zentralbanken, die eignenen Fremdwährungsreserven in Dollar zu halten. Erneut muss also die USA dem Liquiditätsbedarf der Welt nachkommen, um die Weltwirtschaft am Laufen zu halten. Erneut wird das als risikolos empfundene Ankerinstrument sehr wohl risikobehaftet. Triffins Dilemma hat erneut zugeschlagen.
Nach der Abstufung der US-Kreditwürdigkeit durch S&P auf AA+ sind wir in der kuriosen Situation, dass der monetäre Anker nicht mehr die beste Bonität hat. Praktisch zeitgleich sind die Renditen deutscher Staatsanleihen gesunken. Drei Tage sind kaum ein ausreichender Zeitraum, um ein Umschwenken des Marktes auf einen anderen Anker feststellen zu können, aber dennoch sollten wir in diesen Zeiten auch bisher Undenkbares in Betracht ziehen. Welche Folgen hätte es, wenn deutsche Staatsanleihen auf einmal eine bedeutendere Ankerrolle spielen würden als bisher? Würde Triffins Dilemma dann auf Deutschland zutreffen? Und wie würden sich die Politikmöglichkeiten in einer Währungsunion darstellen?
Ist das alles ein Argument dafür, das ganze Fiatgeld abzuschaffen und zum Gold als Deckung zurückzukehren? Nein, ganz klar nicht. Man ersetzt nur einen instabilen Anker durch einen anderen. Ob nun die US-Staatsanleihen risikobehaftet sind und nicht mehr als Anker taugen oder Gold ist einigermaßen egal. Mögliche Auswege aus Triffins Dilemma werde ich in einem der kommenden Artikel darstellen.

Veröffentlicht von

Benjamin

Bloggt über Wirtschaft und Politik. Nimmt Ordnungspolitik ernst. Promoviert über Währungsunionen. Blogs about Economics and Politics. Takes Ordnungspolitik seriously. Studies monetary unions for his doctorate.