Das globale Geldsystem Teil 1 – Einführung

Am Samstag früh (MESZ) hat Standard & Poor’s Konsequenz bewiesen und nach der Warnung vom 18. April 2011 tatsächlich die Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten herabgestuft und auch den Ausblick auf negativ belassen.
Die USA ist zwar mit dem AA+ Rating nach wie vor ein hervorragender Schuldner, also werden die fundamentalen Auswirkungen wohl eher gering sein. Die USA muss sich aber mit höheren Refinanzierungskosten abfinden. Das sollte den Druck auf die Politiker erhöhen, endlich den Schuldenabbau ernst zu nehmen.
Dennoch könnte die Abstufung stärkere Effekte haben, als die Fundamentaldaten erwarten lassen würden. Der Verlust des AAA für die weltgrößte Volkswirtschaft ist eben etwas anderes als die Herabstufung einer kleinen Volkswirtschaft oder eines kleinen Unternehmens. Das liegt zum einen natürlich am Ausmaß der Verflechtung der USA in die Weltwirtschaft, zum anderen aber auch an der Struktur es Internationalen Geldsystems. Ähnlich wie in der Ära des Bretton-Woods-Systems basiert es auf einem zentralen Anker: Im BWS war es das unbedingte, vertraglich festgeschriebene Dollar-Gold-Verhältnis von $35 für die Feinunze Gold; heute ist an diese Stelle die US-Staatsanleihe getreten. Trotz aller strukturellen und rechtlichen Unterschiede zwischen dem BWS und dem aktuellen System ist doch eine Gemeinsamkeit frappierend: Die (vermeintliche) Risikolosigkeit des Ankers. Das BWS zerbrach an Triffins Dilemma, als US-Präsident Nixon 1971 gezwungen war die unbedingte Eintauschbarkeit von Dollar und Gold zu beenden. Man versuchte noch zwei Jahre lang das System am Laufen zu halten, doch mit dem Wegfall des Ankers, war das BWS nicht zu retten.
Eine strukturell ähnliche Situation erleben wir zur Zeit. Mit der Abstufung der Amerikanischen Staatsanleihen verlieren diese das Gütesiegel „Risikolos“. Zwar sind keine Anleihen – und auch sonst nichts – absolut sicher, aber bisher galten US-Staatsanleihen als hinreichend sicher, um als Anker des weltweiten Geldsystems zu dienen. Die Herabstufung – bis vor wenigen Jahren noch völlig undenkbar – oder der drohende Zahlungsausfall – ebenfalls undenkbar bis Juli 2011 – hinterließen tiefe Kratzer an der Glaubwürdigkeit des Ankers. Etwas schlimmeres kann einer Anleihe (oder einer Währung) nicht passieren. Selbst wenn die Fundamentaldaten nach wie vor gar nicht so schlecht für die USA aussehen, können es doch die Erwartungen sein, die Amerika in eine neue Rezession zwingen oder – bis vor kurzem ebenfalls undenkbar – den Dollar als Weltleitwährung stürzen. Beides wäre fatal für die Weltwirtschaft, zumindest in der kurzen Frist. Vielleicht erwächst daraus aber langfristig ein stabileres globales Geldsystem.
Dies ist der Anfang einer Serie von Blogbeiträgen zum globalen Geldsystem. Ich werde mindestens noch zu Triffins Dilemma, den Sonderziehungsrechten, Globale Wirtschaftspolitik und Verschuldung bloggen. Wer noch eine Idee hat, soll mir Bescheid sagen 🙂

Veröffentlicht von

Benjamin

Bloggt über Wirtschaft und Politik. Nimmt Ordnungspolitik ernst. Promoviert über Währungsunionen. Blogs about Economics and Politics. Takes Ordnungspolitik seriously. Studies monetary unions for his doctorate.