Blinzelt die EZB?

Es ist mal wieder der erste Donnerstag eines Monats und der EZB-Rat tagt gerade. Anders als in den vergangenen Monaten scheint es diesmal nicht ausgemacht, dass der Leitzins bei 75 Basispunkten bleibt. Gibt die EZB den Drängen der Börsen nach und senkt den Leitzins auf ein weiteres historisches Tief? Ich hoffe nicht.

Irgendwann muss es auch dem letzten Zentralbanker klar sein, dass man der Korrektur eines inflationären Booms nicht expansiver Geldpolitik beikommen kann – oder sollte. So tragisch die Krise in der Peripherie auch ist, es ist kein Problem fehlender Investitionen. Die eigentliche Wirtschaftskrise, die sich in Rezession und Arbeitslosigkeit äußert ist die deflationäre Korrektur des inflationären Booms aus der Zeit der „great moderation“. Da hülfe – wenn überhaupt – nur expansive Fiskalpolitik. Dieses Instrument ist aber wegen der sowieso schon überbordenden Staatsverschuldung ausgeschlossen. Sowohl Geldpolitik, wegen den gestörten Transmissionsmechanismen, als auch die Fiskalpolitik, wegen der zu hohen Staatsverschuldung, sind an die Grenzen ihrer Macht gekommen und können nichts mehr tun, um die Krise zu beenden – selbst wenn man von schädlichen Nebenwirkungen auf den Kern der Eurozone absähe.

Was bleibt ist reale Abwertung. Externe Abwertung geht nicht, weil es (noch?) keinen Wechselkurs gibt. Interne Abwertung ist ein nettes Wort für Deflation, Rezession, und Arbeitslosigkeit. Ob die EZB einsieht, dass die Eurozone zu groß und zu heterogen ist?

Update: Tja. Sie hat geblinzelt. Und beweist einmal mehr, dass sie im Spiel zwischen Geld- und Fiskalpolitik der Stackelbergfolger im Sinne von Sargent und Wallace (1981) ist.

Veröffentlicht von

Benjamin

Bloggt über Wirtschaft und Politik. Nimmt Ordnungspolitik ernst. Promoviert über Währungsunionen. Blogs about Economics and Politics. Takes Ordnungspolitik seriously. Studies monetary unions for his doctorate.