Schlagwort-Archiv: Electronic

Audiophil - Call Myself [phoke72]

Endliche komme ich mal dazu die neue Phonocake - Nummer 72 - zu hören. Audiophil gibt einen Longplayer zum besten, den man mit gutem Gewissen als modernen Pop einordnen kann. Kein weichgespültes Radiogedudel sondern Lieder mit Ecken und Kanten über halb elektronischen, halb akustischen Beats. "Call Myself" ist eines dieser Alben, die niemand in der Netlabelszene erwartet, aber die dennoch so gut passen, dass sich jeder fragt, warum es so lange gedauert hat, bis es erschien.

Das Album beginnt mit dem entspannten "A lake in the desert", das mich ein bisschen an Tori Amos erinnert. Entspannt, vielschichtig, beim ersten Hören vielleicht verwirrend, aber immer besser je öfter man es hört. "Things will change" brettert wie ein Popsong von Lily Allen mit Electrobeats und Akustikgitarre. Das könnte auch im Radio laufen. Im gleichen Stil geht es weiter mit "Enter the surface" und "Searching for You": tanzbare Beats mit  Pollyx' sanfter Stimme.
"Turn Back" - das Halbzeit-Intermezzo - zitiert Gangsta-Rap Beats mit schweren Streichern. Mit knappen zwei Minuten für mich kein volles Lied, eine schöne Überleitung zu "Touched me". Hier gibt es wieder schwere Streicher über einem groovenden Shufflebeat. Ganz groß! Wenn auch ein bisschen kurz.
"Stuck in routines" beginnt sanft, geht aber bald in treibenden Electro über. Großes Bassfeuerwerk für die Tanzfläche, das genauso plötzlich endet, wie es begann. In die gleiche Kerbe haut "Eaglewolf". Wenn man's nicht besser wüßte, würde man Timbaland hinter den Reglern vermuten, so sehr quietscht, brettert und rummst es hier.
Schwere Klavierakkorde erklingen in "Forget the time we had". Bald kommen verschwurbelte Beats und rezitativer Gesang. Für mich der Tiefpunkt des Albums, nichts halbes und nichts ganzes.
Melancholisch-herzzerreißend beginnt "When the day breaks up", um doch schnell in Electro-Beats zu flüchten. Ein wunderbarer Mix aus Akustikballade, Electroknaller und Pophymne. Grandios!
Knappe anderthalb Minuten dauert das Electrogeschwurbel "Snow steps", mit dem "Call myself" nach elf Titeln endet.

"Call Myself" ist ein reifes Album, das mit vielen tollen Popsongs und tanzbaren Beats glänzt. Da sind die Schwachpunkte des Albums schnell vergessen. Ein ganz großer Moment für Audiophil und Phonocake im Speziellen und Netlabels und Freie Musik im Allgemeinen.

Download "Audiophil - Call myself" bei archive.org
Anspieltipp: "Things will change"

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Strobotone - Flashback Forward [iD.067]

Jippie, die neue Ideology ist da. Und wie erwartet ist Flashback Forward ein Feuerwerk elektronischer Musik. Strobotone hat mit zehn Titeln ein über ein-stündiges Album abgeliefert, das sich im Sound gemütlich zwischen House, Big Beat, Pop und Electro eingroovt.
Der Eröffnungstitel Ultimate legt gleich gut los, Ein Housegerüst, der Gesang einer Dame und sanfte Anleihen bei den 1980ern sorgen für gute Stimmung auf der Tanzfläche oder im Kopfhörer.
Electropoppig geht es mit Kites weiter, das mich an die Instrumental-Titel der 1990er erinnert und eigentlich auch von den Pet Shop Boys oder Empire Of The Sun sein könnte.
Mit Fission Precision habe ich wohl den Opener für mein nächstes Deep House-Set gefunden. Rhodes-Klänge, Synthie-Flächen und Breakbeats lassen mich an die Platten von Vincenzo denken.
Good Dressed besticht durch minimales Arrangement, einem zerhackten Rap-Sample und zielt wohl direkt auf den Club. Kommt gut.
Big Beat gepaart mit Space-Musik: Das ist Paperworks. Klingt schräg, ist es auch. Vielleicht nichts für ein DJ-Set, aber das Spiel mit den Dissonanzen hört sich über die Kopfhörer doch sehr fein an.
Funky und lateinamerikanisch angehaucht geht’s weiter mit Artificial Excellence. Dieser Latin-Disco-Funk-House-Mischmasch macht im Club sicher einen Heidenspaß :-)
Bei Concise – Insensate (Strobotone Remix) kommen die 1990er ganz dick wieder. Mit fetten Ravesynthies, Vocoder-Stimmen und Breakbeats. Cooles Teil!
Einer muss leider das Schlusslicht sein. Theoretical Romance ist für mich der schwächste Titel des Albums. Vielleicht bin ich aber auch einfach zu doof, um einen Zugang zu finden.
Dafür gefällt mir Terraform viel besser. Erinnert mich irgendwie an den Soundtrack von Deus Ex. Dunkel, urban und cool.
Den Abschluss macht Venusian Clouds und ist passend zum Namen Space Musik vom feinsten. Wer hier nicht an Vangelis & Co denken muss, ist wohl zu jung, oder hat die 1990er verschlafen :-)
Ein tolles Album mit Wiederhörwert. Ideology stellt eindrucksvoll unter Beweis, dass es zu Recht als bestes Netlabel bezeichnet wird.
Anspieltipps: Ultimate, FissionPrecision, Terraform
Link zum Release: Strobotone - Flashback Forward [iD.067]

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Dr. Freebs – The freebie treat [iD.062]

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Die neue iD.eology, „The freebie treat“ von „Dr. Freebs“ ist ein Potpourri der verschiedensten Stile und Genres. Es beginnt funky, für einen Moment meint man Mousse T zu hören, oder war es James Brown? Egal, hier groovt es an allen Ecken und Enden. Dr. Freebs bittet erst auf die Tanzfläche und dann in die Chillout-Area. Es blitzen Ideen von Drum'n Bass und Trip Hop auf und gehen nahtlos in den tiefen Dub über, den man eher bei Supafeed aber nicht bei iD.eology erwartet.
Ich habe selten ein so abwechslungsreiches Album gehört, wie dieses. Und doch haben alle Titel den Groove gemeinsam. Vielen Dank an Dr. Freebs und iD.eology für dieses verfrühte Weihnachtsgeschenk!
Anspieltipp: The Love Lounge, mein persönlicher Favorit, aber der Titel ist wohl eher eine Art primus inter pares, da das ganze Album eigentlich voller Anspieltipps ist.

Release-Seite bei iD.eology

http://www.ideology.de/mp3player.swf

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