Zyperns verkorkster Bailout

Achtung: Rant-Alarm!

Manchmal frage ich mich wirklich, ob ich nicht im falschen Film bin. Das hier ist doch nicht die echte Welt, sondern ein Klamaukstreifen. Ihr wisst schon, so á la Mr Bean, wenn man in den Fernseher springen möchte, um ihm zu helfen. Oder wie Familie Heinz Becker. Oder ein Absurditätenkabinett wie Monty Python. Anders kann ich mir die komplette Hirnverbranntheit nicht erklären, die unsere Politiker gerade an den Tag legen.

Ernsthaft: Sind die eigentlich alle komplett bekloppt?! Ein Haircut auf Bankeinlagen?! Das ist ein Bank-Run mit Ansage und damit exakt das, was die „Rettung“ eigentlich verhindern sollte. Geht’s noch?!

Ich habe die Beträge, um die es hier geht gestern „Peanuts“ genannt, wenn man sie mit den Gesamtsummen vergleicht. Ob man jetzt 10 Milliarden oder 17 Milliarden versenkt ist wirklich schnurzegal. Aber nein, es werden nur 10 Milliarden ausgegeben und der Rest soll von den Einlegern getragen werden. Zur Erinnerung: Das sind zumeist Sparer wie Du und ich; keine „bösen Spekulanten“.

Nicht nur, dass es an sich schon bekloppt ist einen Bailout für Zypern zu organisieren, anstatt eine Staatsinsolvenz mit Schutz des Bankensystems durch die EFSF/ESM. Nein, auch die Durchführung dieser „Rettung“ ist so dermaßen dilettantisch, dass mir die Spucke wegbleibt.

Die Typen, die das gestern in Brüssel beschlossen haben, sind unsere Finanzminister. Da ist es schon erschreckend wie wenig ökonomischer Sachverstand da offensichtlich vorhanden ist. Um es deutlich zu sagen: Mit dem gestrigen Beschluss haben alle Finanzminister, die diesem Quatsch zugestimmt haben, gezeigt, dass sie unfähig sind simple ökonomische Zusammenhänge zu verstehen und entsprechend zu handeln. Wenn das kein ausreichender Grund für einen Rücktritt ist, was ist es dann?

 

Veröffentlicht von

Benjamin

Bloggt über Wirtschaft und Politik. Nimmt Ordnungspolitik ernst. Promoviert über Währungsunionen. Blogs about Economics and Politics. Takes Ordnungspolitik seriously. Studies monetary unions for his doctorate.

2 Gedanken zu „Zyperns verkorkster Bailout“

  1. Ach Benjamin,
    Bankeinlagen sind halt auch nur Forderungen. Neben denen wird jetzt der Glaube an das sichere Geld bei der Bank abgeschrieben werden müssen. War eh nur eine Illusion, wenn auch eine sehr nützlich. Man weiß halt erst im Nachhinein was man am Verlorenen hatte.
    Mal schauen was sich Merkels Regierung nach der Wahl alles traut. Und sag niemand er hätte es nicht kommen sehen können.
    Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, insbesondere wenn Recht nur was gilt wenn’s einem gerade passt.

    1. Das ist das Problem: Die Beliebigkeit des Rechtstaates. Insbesondere was die Eigentumsrechte betrifft. Ich habe leider keine schlaue Idee, wie man die Eigentumsrechte, oder besser alle Grundrechte, bedingungslos schützen kann. Besonders traurig ist es, dass die Regierung die Grundrechte so verletzt. Eigentlich hat jeder einzelne von denen geschworen die Verfassung zu verteidigen, so wahr ihnen Gott helfe… Da bleibt einem echt die Spucke weg.

      Zu Bankeinlagen: Nun, in einer erwartungsstabilen Umgebung ohne Eingriffsrechte und mit kleinen Banken sind Einlagen tatsächlich weitgehend sicher. Klar, gegen die fiesen Ausreißer einer Verteilung schützt dich nix, aber das Nash-Gleichgewicht ist hier eben die kooperative Lösung, dass kein Run stattfindet. Um das zu erreichen sollte der Staat eben NICHT eingreifen oder auch nur den Anschein erwecken er könnte möglicherweise mal drüber nachdenken vielleicht einzugreifen. Dann ist die Erwartungsstabilität zum Teufel. Auch bei der zweiten Voraussetzung, kleine Banken, hat die politische Aufsicht versagt. Banking ist nun mal per se illiquide und instabil. Daher sollte das Wachsen einer Bank exponentiell teurer werden, um das Gesamtsystem zu schützen.
      Es ist allerdings kein prinzipielles ökonomisches Problem, sondern „nur“ ein Problem der politischen Implementierung.

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