Warum die einheitliche Geldpolitik gut für Europa ist

Heute morgen habe ich in der FAZ einen sehr guten Kommentar zur europäischen Geldpolitik gelesen. Die Analyse ist scharf und richtig, aber leider nicht die Konsequenz. Holger Steltzner kommt zur Einsicht, dass der einheitliche Zinssatz sei für ganz Europa gefährlich, da die unterschiedlichen Länder unterschiedliche Zinssätze benötigten.
Herr Steltzner stellt damit die Währungsunion zur Disposition.
Aus mehreren Gründen ist eine einheitliche Geldpolitik gut und wichtig für Europa. Zum einen aus ganz praktischen Gründen, weil ohne einheitliche Zinsen es plötzlich „deutsche“, „französische“, „italienische“ und „griechische“ Euros gäbe und damit Arbitrage möglich wäre (Kaufe billige Griechen-Euros, verkaufe teure Deutsch-Euros). Zum anderen würde der Anreizeffekt wegfallen. Der Erfolg des Euros liegt unter anderem darin begründet, dass die Mitgliedsstaaten der Währungsunion nicht mehr ihre Schulden weginflationieren können. Ein Euro-Land muss allein aus monetären Anreizen heraus eine saubere und nachhaltige Haushaltspolitik verfolgen. Klar tut das den Griechen und Spaniern weh, aber dafür profitieren Sie auch vom Wegfall des Wechselkursrisikos. Die Griechen haben es offensichtlich einigermaßen verstanden und beginnen ihren Haushalt aufzuräumen. Ebenso die Italiener, wo Silvio Berlusconi das Renteneintrittsalter heraufgesetzt hat. Ohne geldpolitischen Anreiz wären diese Maßnahmen nie passiert.
Ja, niedrige Zinsen machen die deutsche Wirtschaft sehr wettbewerbsfähig, auch auf Kosten von anderen Europartnern. Die Antwort kann aber nicht sein, dass sich Deutschland zurückhalten oder dass es unterschiedliche Zinssätze geben soll. Die Antwort kann nur sein, dass die Fiskal- und Wirtschaftspolitik der anderen Euro-Länder die eigene Wettbewerbsfähigkeit heraufsetzt. Weniger Neuverschuldung, Haushaltskonsolidierung, Bürokratieabbau, Steuervereinfachungen sind hier die richtigen Instrumente.
Entweder macht ein Staat mit bei der einheitlichen Währung mit einheitlicher Geldpolitik, oder eben nicht. Wem der Euro zu „hart“ ist, der soll austreten. Mit allen Folgen.

Veröffentlicht von

Benjamin

Bloggt über Wirtschaft und Politik. Nimmt Ordnungspolitik ernst. Promoviert über Währungsunionen. Blogs about Economics and Politics. Takes Ordnungspolitik seriously. Studies monetary unions for his doctorate.