Volker Wieland gibt mir recht

In der FAZ steht ein sehr gutes Interview mit Prof. Volker Wieland, dem ich schon in der Methodendebatte der Ökonomik zutimmt habe. Hier stimmt er mir in meiner Analyse der griechischen Misere zu.

FAZ: Die Kritiker der Austeritätspolitik fürchten eine konjunkturelle Abwärtsspirale: Die Rezession vergrößert die staatliche Neuverschuldung, als deren Folge Austeritätspolitik beschlossen wird, die wiederum die Rezession verschärft.

Wieland:In einer solchen Situation kann es durchaus sinnvoll sein, die fiskalische Konsolidierung zeitlich zu strecken. Die Befürchtung, dass Kürzungen von Staatsausgaben in einer Rezession die Rezession verschärfen, ist ja nicht unbegründet.

Prof. Wieland plädiert ebenfalls dafür, angebotsseitig Griechenland wieder fit zu machen, also die Rahmenbedingungen für Investition und Produktion zu schaffen. Das wird aber nicht funktionieren, wenn die griechische Wirtschaft Jahr für Jahr schrumpft. Der Trick liegt also in einer zweigleisigen Strategie. Auf der einen Seite sollte die Enthaltsamkeitspolitik langsam, aber beständig durchgeführt werden – etwas was insbesondere wir Deutschen endlich verstehen müssen. Auf der anderen Seite aber müssen auch die Rahmenbedingungen für Wirtschaftswachstum verbessert werden – weniger Bürokratie, bessere (tendenziell weniger) Regulierung, simplere Steuersysteme, bessere Anreize für realwirtschaftliche Investitionen. Keine Konjunkturpakete, Reichensteuern oder andere wachstumsverhindernde Maßnahmen, die von Sozialisten des ganzen Kontinents immer wieder gefordert werden. Daran wird sich Frankreichs neuer Präsident Francois Hollande gewöhnen müssen.

Veröffentlicht von

Benjamin

Bloggt über Wirtschaft und Politik. Nimmt Ordnungspolitik ernst. Promoviert über Währungsunionen. Blogs about Economics and Politics. Takes Ordnungspolitik seriously. Studies monetary unions for his doctorate.