Über lupenreine Demokraten

Die Fußball-WMs 2018 und 2022 finden also in Russland und Katar statt. Bin ich der einzige, der es komisch findet, dass ausgerechnet die Außenseiter gewinnen? Könnte bei der FIFA vielleicht nicht ganz objektiv entschieden worden sein…?
Sei’s drum, bestochen oder nicht, finde ich es unter aller Kanone, dass zwei Länder, in denen fundamentale Menschenrechte verletzt werden, die Aufmerksamkeit der Welt bekommen. Das war schon bei den Olympischen Spielen in China Mist, auch da ging der Plan „Wenn die Weltöffentlichkeit zusieht, werden die sich schon benehmen.“ nicht so wirklich auf. Die gesperrten Internetseiten und die Zwangsumsiedlung von Menschen hat die Welt schon wieder vergessen.
Hat die Welt auch schon wieder vergessen, dass in Russland Journalisten von Schlägertrupps des Kreml auf offener Straße erschossen werden und dass Russland, während besagter Olympischer Spiele Georgien überfallen hat? Ok, der georgische Präsident hat aber auch die Russen provoziert, aber nichts destoweniger gehört das Überfallen eines Nachbarlandes nicht zum außenpolitischen Repertoire einer freiheitlichen, modernen Demokratie.
Und ein Land wie Katar, in dem unliebsame Internetinhalte zensiert werden, Frauen nicht die gleichen Rechte genießen wie Männer und Homosexualität bei Strafandrohung verboten ist, fällt auch nicht gerade das Muster moderner Demokratien. Dass in Katar die Religionsfreiheit und die Meinungsfreiheit nicht gewährleistet ist, erwartet man leider schon.
Ich kann nur hoffen, dass Russland und Katar die Zeit bis zu den Weltmeisterschaften nutzen, um den Stand eines menschenwürdigen Rechtsstaates zu erreichen. Aber meine Hoffnung ist gering. Vielen Dank an die FIFA, für die Salonfähigkeit von autokratischen, menschenrechtsmissachtenden Regimen. Nicht.

Foto: http://www.flickr.com/photos/ksm/3885331278/

Veröffentlicht von

Benjamin

Bloggt über Wirtschaft und Politik. Nimmt Ordnungspolitik ernst. Promoviert über Währungsunionen. Blogs about Economics and Politics. Takes Ordnungspolitik seriously. Studies monetary unions for his doctorate.