Nicht schon wieder Konjunkturpakete

Auch auf die Gefahr hin blasphemisch zu werden und einem der angesehensten Ökonomen unserer Tage zu widersprechen: Paul Krugman hat unrecht!

„If we discovered that, you know, space aliens were planning to attack and we needed a massive buildup to counter the space alien threat and really inflation and budget deficits took secondary place to that, this slump would be over in 18 months[…]“ [1, beginnt bei etwa 12 min]

Sein Interview zusammen mit Kumpel Kenneth Rogoff auf CNN ist zwar gewohnt launig, aber auch seine witzige Story von erfundenen Aliens, die einen Wirtschaftsschub auslösen, um die Erde zu schützen erzählt die alte Geschichte: Bloß keine Rezession. Lieber soll die Fed Geld bereitstellen und die Regierung es für Infrastrukturprojekte ausgeben, als dass die Wirtschaft der USA schrumpft.

Die Herren Krugman und Rogoff vergessen – oder ignorieren – offenbar, dass es überall in der westlichen Welt die enorme Staatsverschuldung war, die die aktuellen Krisen heraufbeschworen hat und die Eurozone in ihrer Existenz bedroht. Hier neue Konjunkturprogramme zu fordern ist – mit Verlaub – grundfalsch.

Nun bin ich zwar ein Anhänger schlanker Staatshaushalte und auch ein vehementer Befürworter von Schuldengrenzen und Schuldenabbau, doch in der aktuellen Lage können sich die Staaten nicht gesundschrumpfen. Die griechischen Sparpakete reißen das Land tief in die Rezession und senkt damit das stabile Schuldenniveau weiter herab. Zu glauben, dass Sparen jetzt aus den Krisen führt ist naiv. Man hätte mit dem Sparen schon vor Jahren und Jahrzehnten beginnen müssen. Der Umkehrschluss, dann müsse eben der Staatskonsum notfalls auf Pump ausgedehnt werden, um Wachstum zu erzeugen ist allerdings genauso unzulässig – und ökonomisch fahrlässig.

Es gibt nur einen Weg mit einem, vielleicht zwei blauen Augen davon zu kommen: Die private Nachfrage muss anspringen und den Aufschwung tragen. Das erreicht man am besten, indem Politik und Zentralbank Sicherheit verbreiten. Zum Beispiel müssen Griechenland, Portugal, Irland & Co. den Zahlungsausfall erklären, um die Unsicherheit wann – nicht ob – diese Länder ausfallen zu beenden. Milliarden neuer Schulden für einen Aufschwung auf Pump machen die Lage nur schlimmer.

PS: Als eine nicht-ökonomische, nicht-politische Bemerkung sei hinzugefügt, dass ich immer wieder davon angewidert bin, wenn Ökonomen – egal welcher Richtung – Kriege als gutes Beispiel für staatsgetriebenen Wirtschaftsaufschwung heranziehen. Auf ökonomischen Folgen, wie einseitige Ausrichtung, Fehlallokation, Inflation etc. will ich gar nicht näher eingehen. Kriege zerstören, Kriege töten, Kriege erzeugen unfassbares Leid. Daran sollte man denken, bevor man Kriege toll findet, weil es da Vollbeschäftigung gab. Mancher Ökonom sollte besser auf seine Worte achten.

Veröffentlicht von

Benjamin

Bloggt über Wirtschaft und Politik. Nimmt Ordnungspolitik ernst. Promoviert über Währungsunionen. Blogs about Economics and Politics. Takes Ordnungspolitik seriously. Studies monetary unions for his doctorate.