Merkel und die Urlaubszeit

Letzte Woche hat sich unsere Kanzlerin in die Niederungen der Stammtischpolemik begeben und den Südeuropäern pauschal Faulheit vorgeworfen. Ich weiß noch nicht, ob ich eher über diese Entgleisung traurig sein soll oder über die Tatsache, dass sie dafür Applaus bekommen hat.
Für alle, die es noch nicht verstanden haben: In der Währungsunion geht es weder um die Angleichung der Preise, noch der Löhne, noch des Rentenalters, noch der Urlaubszeit. Es geht simpel und einfach darum, den intraeuropäischen Handel und die Verknüpfung der Länder bilateral zu stärken. Der Euro ist in der Tat das größte Friedensprojekt, das die Menschheit je gesehen hat. Und jetzt mit spitzer Zunge Anschuldigungen zu verteilen pervertiert diesen Friedensgedanken.
In einem Punkt hat Frau Merkel allerdings recht: Die Eurozone darf keinen Finanzausgleich bekommen, damit haben wir in Deutschland genügend miese Erfahrung gemacht, um zu wissen, dass das eine eher schlechte Idee ist. Dummerweise sind die ständigen „Rettungen“, die auch von der Bundesregierung mitgetragen werden das genaue Gegenteil.
Der Economist hat vor wenigen Wochen geschrieben: „Gesteht es euch endlich ein. Griechenland und Portugal sind pleite.“ Wie recht er hat!
Das einzige was Griechenland, Portugal und vermutlich auch Irland noch helfen kann ist eine Umschuldung. Oder lassen wir die Schönfärberei und sprechen aus was es ist: Die Anleger verlieren einen Teil ihres Geldes. Das tut erstmal weh, macht aber deutlich, dass es immer noch ein Investitionsrisiko gibt, und dass das gegenseitige rauspauken auch Grenzen hat. Das wäre ehrlich und ökonomisch sinnvoll.
Stattdessen ist man verhaftet in kleinkarierten, polemischen, dummen und nutzlosen Scheindiskussionen über die Urlaubstage und das Renteneintrittsalter. Wenn Griechenland es schafft, seine Wettbewerbsfähigkeit wieder zu erlangen und dabei seine Bürger mit 59 in den Ruhestand zu schicken, dann ist das eben so. Keiner Kanzlerin oder sonstwem steht es zu das zu verurteilen.
Ich glaube nicht, dass die Griechen das schaffen werden ohne die Altersgrenze anzuheben, aber das ist nicht meine Entscheidung.
Wenn endlich ehrliche Wirtschaftspolitik (alleine das Wort ist eigentlich ein Widerspruch in sich…) einkehrt, dann geht es in Europa nur noch um die Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Länder und nicht um Basaar-ähnliches Gefeilsche.
Wichtig ist, das Moral Hazard zu beseitigen. Wenn die Griechen, Portugiesen oder Deutschen (sic!) laissez-faire leben wollen, dann geht das eben mit einem niedrigerem Lebenstandard einher. Jeder Versuch sich durch hemmungsloses Verschulden oder sonstiger Tricks dieser einfachen Konsequenz zu entgehen wird nur in weiteren Krisen enden, völlig egal, wieviel Geld zur „Rettung“ eingesetzt wird. Also muss glaubwürdig gemacht werden, dass die Verschuldung begrenzt wird und Pleitestaaten nicht „gerettet“ werden sondern Insolvenz anmelden müssen, wobei auch die Gläubiger was verlieren. Dadurch wird das Risiko mit eingepreist und auf Pump leben wird schwieriger. Das gilt übrigens auch für Deutschland.

Veröffentlicht von

Benjamin

Bloggt über Wirtschaft und Politik. Nimmt Ordnungspolitik ernst. Promoviert über Währungsunionen. Blogs about Economics and Politics. Takes Ordnungspolitik seriously. Studies monetary unions for his doctorate.