Leseempfehlung: „Why Germany Is Going to Exit the Eurozone“

Dieser Artikel von Alasdair Macleod über Deutschlands baldiges Ausscheiden aus der Währungsunion ist so lesenswert, dass er auch auf Zerohedge rebloggt wurde. Ich finde die Analyse sehr scharf und korrekt – aber ich teile die Implikation nicht in der gleichen Unausweichlichkeit.

Der Untertitel „Simply put, it has no choice“ ist meiner Meinung nach zu stark. Natürlich hat Deutschland eine Wahl. Zunächst im Herbst 2013, aber auch generell besteht immer die Möglichkeit, sich weiter durchzuwurschteln und die ökonomische Realität zu ignorieren, dass die EMU einfach zu heterogen ist, um zu funktionieren. Die Frage ist viel mehr, ob uns das Ergebnis gefällt.

Dennoch ist das Essay als Denkanstoß sehr lesenswert.

http://www.peakprosperity.com/blog/79685/why-germany-exit-eurozone

Was denkst Du? Hältst Du es für ein realistisches Szenario? Sollte Deutschland vielleicht auch aus Mitgefühl gegenüber der Rest-Eurozone seinen Hut nehmen?

Veröffentlicht von

Benjamin

Bloggt über Wirtschaft und Politik. Nimmt Ordnungspolitik ernst. Promoviert über Währungsunionen. Blogs about Economics and Politics. Takes Ordnungspolitik seriously. Studies monetary unions for his doctorate.

3 Gedanken zu „Leseempfehlung: „Why Germany Is Going to Exit the Eurozone““

  1. Nettes Wortspiel, Benjamin.
    Erinnern wir uns an einen Beitrag von vor ein paar Tagen/Wochen, dann stellt sich die Frage ob Deutschland tatsächlich eine (faire unverzerrte) Wahl hat.
    Die Heterogenität ist an sich nicht das Problem (in DE geht es ja schließlich auch), nur sehe ich die Politik nicht die Maßnahmen ergreifen die ich für notwendig erachte damit die Heterogenität kein Problem ist, also eine wie auch immer geartete Form des Ausgleichs.
    Und wenn die Politik diesen notwendigen Ausgleich (ich halte es für utopisch anzunehmen man könne unbegrenzt auf Kredit leben, und ganz sicher nicht zu Nullzins) nicht gestalten kann oder will, dann wird es zu einem abrupten Ausgleich kommen.
    Wie sich dieser gestaltet, ob die EURO-Zone zuerst von der Überschuss- oder von der Defizitseite her bröckelt vermag ich nicht zu sagen, aber wenn es passiert, da stimme ich dem Essay zu, dann wird es schnell weiter bröckeln.
    Wenn die Politik sich nicht einigt (und diese müßte schon revolutionär sein) diese Dauerkrise (oder ist das doch das neue Normal?) zu beenden bleibt das Szenario eines Euroendes ein Fluch dem sie nicht entkommt.

  2. Meinst Du Deutschlands baldiges Ausscheiden als Wortspiel?

    Ob das Ergebnis der Wahl unverzerrt ist ändert ja nichts an der Tatsache, dass es die Wahl gibt, oder? 😉

    Ich glaube Du unterschätzt das Problem der Heterogenität in der EMU. Wir haben sämtliche Ausgleichskanäle zugebaut bis auf einen: die Staatspleite. Aber der wird gemieden. Externe Abwertung? Geht nicht, weil gleiche Währung. Interne Abwertung? Die zerreißt grade Griechenland, Spanien und Portugal. Inflation? Laut EZB-Mandat ausgeschlossen (Hoffentlich). Kapitalmobilität? Triffin-Dilemma. Arbeitsmobilität? Schwierig, mit sovielen verschiedenen Sprachen und Mentalitäten. Ausgleichszahlungen? Laut EU-Vertrag verboten. Der Euro wurde von Anfang an falsch konstruiert, da eine stabile Währungszone unbedingt Arbeitsmobilität braucht, was die EMU nicht hat. Daher ist die EMU anfällig für Staatspleiten. Ich muss zugeben, dass ich das auch erst seit etwa einem Jahr erkannt habe. Aber ich wundere mich kein Meter mehr über die Krise, nur über die Inkompetenz der Politik.

    In Deutschland und Frankreich funktioniert eine einheitliche Währung, weil die Leute aus den strukturschwachen Gebieten einfach in die Metropolregionen ziehen. Außerdem gibt es Ausgleichszahlungen (Die ich allerdings für ordnungspolitisch falsch halte).

    Die Eurozone braucht dringend einen nominalen Ausgleich. Das einzige, was das schnell genug liefern kann ist eine Staatspleite oder den Bruch und die Anpassung über die Wechselkurse. Ersteres hat den Charme, dass die EMU zusammenbleibt, aber ohne zusätzlichen Anpassungskanal ist es nur eine Frage der Zeit bis es wieder scheppert. Die vollständige Homogenisierung ist utopisch. Daher sollten sich nur Staaten eine Währung teilen, die homogen genug sind, damit die Wettbewerbsfähigkeit stetig angeglichen werden kann. Etwas, für das die Peripherie einfach noch nicht reif ist.

  3. choice => Wahl <= election (was ganz repräsentatives 😉 ausdrücklich keine Gleichheitszeichen)

    Was die Heterogenität angeht,
    ich will ja lediglich nicht ausschließen dass es eine Lösung jenseits des Zusammenbruchs gibt (Wahlweise in Form des Bankrotts oder des monetären Abspaltung). Und dort wo nur vertragliche Bindungen bestehen sehe ich Möglichkeiten (Verträge auf der ebene können nicht durch eine höhere Gewalt erzwungen werden, da diese nicht existent). Möglichkeiten, die zweifels ohne neue Absichtserklärungen brauchen. Dort besteht nun das Dilemma. Es müsste geklotz werden, Fakten geschaffen, denn wer einmal lügt dem glaubt man nicht, deshalb funktioniert die Kleckerei derzeit auch nicht. Ob die Politik dazu in der Lage ist? Ich weiß es nicht, und mir ist auch nicht nur ein wenig Bange bei dem Gedanken dass sie es sein könnte. Ich weiß nicht was sie alles um des Selbsterhaltungwillen zu tun bereit und im Stande ist.
    Tut sie das nicht … fitsch … disunionisierung(zumindest was die derzeitige Vertragslage hergibt). Und je schneller das geht, desdo besser. Nichts schlimmer als diese anhaltende Unsicherheit. Auch mit allem Leid was damit verbunden sein wird. Silberstreif am Horizont tut dem Gemüt besser als Gewitterwolken, egal was für ein Sturm gerade tost.

    Wenn nun Binnenmigration das einzige ist was auf Dauer einen Währungsraum zusammen hält, dann bringt auch die best mögliche Homogenität nichts, es dauert nur länger. Siehe Katalonien, Bayern, "man will nicht für die anderen Zahlen". Hätte man es nicht einfach beim EWS belassen können? Scheint zumindest 20 Jahre funktioniert zu haben. Dem Euro geb ich nicht mehr Zeit, es sei denn zwischenzeitlich friert die Hölle ein.

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