Jeder Durchschnitt hat seine Verteilung

Das ist eine grundlegende Wahrheit, die jeder Schüler mit der ersten Berührung von Statistik lernt. Dennoch halte ich es für notwendig es noch einmal zu wiederholen. Hinter jedem Durchschnitt, jedem Mittelwert, jedem Erwartungswert steckt eine dazugehörige Streuung und Verteilung. Von daher ist es zumindest im mathematischen Sinn nutzlos einfach nur Durchschnitte zu betrachten ohne deren Varianz mit einzubeziehen.

Will man nun aus ökonomischer Erkenntnis heraus eine politische Entscheidung treffen, so ist man gut beraten diese alte statistische Wahrheit zu beachten. Im aktuellen Economic Focus des Economist wird der diesjährige Wirtschaftsnobelpreisträger Chris Sims mit einem Aufsatz von 2002 zitiert, in dem er schreibt, letzten Endes könnte die Finanzierung von Staatsschulden mittels Anleihekäufen der Zentralbank und schließlich auch Inflation billiger sein als die Zahlungsunfähigkeit.

Mr Sims, in a 2002 paper, says the option of using inflation to repay debt is a valuable fiscal-shock absorber that over time may be less expensive than the risk, or fact, of default. [1]

Ich bin mir ziemlich sicher, dass Herr Sims ausgiebig über diesen Punkt nachgedacht hat und auch die Folgekosten mit einberechnet hat. Dennoch möchte ich Kritik anbringen. Diese Kritik fußt auf obiger grundlegender Wahrheit der Statistik. Selbst wenn die Finanzierung von Staatsschulden mittels Inflation für die Gesamtwirtschaft billiger sein mag, gilt das nur für die durchschnittliche Belastung des einzelnen Bürgers. Die Verteilung dahinter lässt allerdings die Sparer, die Vorsorger, die Lebensversicherten, die Schwachen unverhältnismäßig mehr der Last schultern, als die verschwenderische Regierung und die Banken, die diese Verschwendung finanzieren. Nun bin ich weit davon entfernt Banken pauschal zu bashen, aber die Anreize „risikolose“ Staatsanleihen ohne Eigenkapitalabsicherung halten zu können sind einfach fatal für das Risikomanagement. Unterlegt man diese Fehlanreize dann auch noch mit der Aussicht durch Inflation die eigenen Verbindlichkeiten abschmelzen zu können, dann ist der Untergang so gut wie sicher.

Inflation ist also aus zwei Sichtweisen heraus schlecht. Zum einen wegen der verheerenden Wirkung auf das Risikomanagement der Banken und zum anderen ordnungspolitisch, weil die „Falschen“ hinterher die Last tragen müssen, während die Regierung als Verantwortliche ungestraft davon kommt.

Veröffentlicht von

Benjamin

Bloggt über Wirtschaft und Politik. Nimmt Ordnungspolitik ernst. Promoviert über Währungsunionen. Blogs about Economics and Politics. Takes Ordnungspolitik seriously. Studies monetary unions for his doctorate.