Die Wirtschaft wartet nicht

In Griechenland findet seit geraumer Zeit ein leiser Bankrun statt, der sich jetzt wohl noch einmal beschleunigt hat. Wie jeder Bankrun ist es individuell optimal sein Konto leerzuräumen und Bargeld zu halten, aber in der Summe ist das natürlich fatal für Banken und damit auch für den griechischen Staat. Immerhin sind es die Banken, die mit dem Kaufen von T-Bills die Regierung gerade so noch über Wasser halten – auch wenn das nicht ewig so weitergehen kann, wie die EZB gerade beschlossen hat.Je länger die Politik sich im Klein-Klein aus Verhandlungen aufhält anstatt zu handeln, desto wahrscheinlicher wird der Greccident. Der griechische Ministerpräsident Tsipras hat überhaupt keine Wahl über seine Handlungsoptionen. Er muss sein Wahlprogramm über den Haufen werfen und machen, was die Institutionen verlangen. Das vielbeschworene Primat der Politik ist eine Chimäre. Kein Politiker hat nennenswerten Einfluss auf das Marktgeschehen – insbesondere dann nicht, wenn sich ein Land in einem Teufelskreis befindet. Tsipras sollte das möglichst schnell erkennen, um den Greccident abzuwenden.

Wboromir-market-rulesenn es einem Land wirtschaftlich gut geht – weil vernünftige Politik die Wirkungskanäle der Wirtschaft berücksichtigt – gibt es auch Spielraum, um wirtschaftliche Exzesse zu beenden. Aber eine Politik gegen das Marktgeschehen zu machen ist von vornherein aussichtslos, teuer und schädlich. Das sieht man „wunderbar“ am Bankrun in Griechenland aber auch an den wegfallenden Minijobs nach der Einführung des deutschen Mindestlohns. Das ist eine bittere Pille für alle Anhänger des Primats der Politik. Dieses Primat kann man allenfalls als „bedingtes Primat“ interpretieren, dass der Staat die Aufgabe hat die Wirtschaft möglichst frei zur Entfaltung zu bringen und dabei Mittel einsetzen kann, die die Politiker für richtig halten.  Aber zu glauben, als Regierung einfach tun und lassen zu können wie es beliebt, ist naiv. Das ist eine Lektion, die Alexis Tsipras von Gerhard Schröder lernen kann – wenn er nur will. Er sollte sich allerdings damit beeilen, denn die Wirtschaft wartet auf niemanden, auch nicht auf Regierungschefs.

Veröffentlicht von

Benjamin

Bloggt über Wirtschaft und Politik. Nimmt Ordnungspolitik ernst. Promoviert über Währungsunionen. Blogs about Economics and Politics. Takes Ordnungspolitik seriously. Studies monetary unions for his doctorate.