Der Preismechanismus

Es ist die zentrale Erkenntnis der Ökonomik, dass es die Flexibilität der Preise ist, die für die bestmögliche Allokation von Ressourcen sorgt. Jede Störung der Preisanpassung sorgt für Ineffizienzen, Verschwendung und Ungleichgewichte – dabei ist es egal, ob diese Störungen natürlich oder künstlich sind.

Natürliche Störungen in der Preisanpassung sind zum Beispiel Menu Costs oder Externalitäten. Gegen letztere kann man vorgehen und sollte es auch, in dem man versucht den Satz von Coase möglichst gut umzusetzen. Das Paradebeispiel dafür ist der CO2-Zertifikatehandel. Wichtig ist, dass der Preismechanismus – also das Finden eines Preises – möglichst schnell, umfassend und vollständig erfolgt. Nur eine bepreiste Ressource wird verantwortungsvoll verwendet. Das gilt von Emissionsrechten bis hin zum Regenwald. Insbesondere gilt es für Investitionen. Der Preis für Investitionen steckt im Risiko, das der Investor trägt. Solange das der Fall ist, liegen Entscheidung und Verantwortung für den Ausgang der Investition in einer Hand und der Investor wird die Höhe seiner Investition und das Risiko gegeneinander aufwiegen. Er wird einen marktgerechten Preis finden, da der Preismechanismus ungestört ist.

Ich bin jedesmal völlig baff, wenn ich von neuen Plänen der Bundesregierung zur Energiewende höre. Dabei steht die Hinwendung zu sauberen, erneuerbaren Energien in einem gesamtgleichgewichtigen Zusammenhang völlig unstrittig da. Das einzige was die Bundesregierung machen müsste, wäre den Preismechanismus wirken zu lassen. Keine Subventionen für bestimmte Energieformen, gleiche Besteuerung für alle. Jedes Unternehmen steht für seine Investitionen und die Folgekosten gerade. Betreiber von Kohlekraftwerken müssten Emissionszertifikate kaufen, Betreiber von Kernkraftwerken müssten die Endlagerung bezahlen, Betreiber von Solarkraftwerken müssten für die Umweltschäden durch Siliziumabbau geradestehen und Windkraftanlagen und Wasserkraftwerk müssten für die Eingriffe in die Natur bezahlen. Das Wirken von Angebot und Nachfrage würde nicht nur den günstigsten sondern auch den umweltfreundlichsten Energiemix hervorbringen. Neue Technologien könnten sofort ihre technische Überlegenheit in Gewinne umwandeln – sowohl monetäre als auch Umweltschutzgewinne. Kurz, alles wird gut, wenn der Preismechanismus wirken kann.

Anstatt auf dieses Ziel hinzuarbeiten entfernt sich die Bundesregierung immer weiter von der Marktlösung zugunsten einer dirigistischen Planwirtschaft in der Energiepolitik. Vom Besteuerungsdesaster und dem Subventionschaos will ich gar nicht anfangen.

Die Bundesregierung plant zwei haarsträubende Eingriffe in den Preismechanismus. Sie will Unternehmen bezahlen, damit diese keinen Strom verbrauchen, um so das Stromnetz im Fall der Fälle zu stabilisieren. Allein die Bereitschaft eines Unternehmens bei einer solchen Wahnsinnstat mitzumachen, will die Bundesregierung versilbern. Kommt es dann tatsächlich zur Abschaltung, gibt es noch mehr Geld. Das mag kurzfristig für die Stabilisierung des Netzes sinnvoll sein, aber ökonomisch ist es nur irre. Aber im Bezahlen für die Nichtinanspruchnahme von Leistungen hat die Bundesregierung ja Erfahrung.

Heute kam die Meldung, dass der Bundestag mit den Stimmen der Regierungsfraktionen ein Gesetz verabschiedet hat, nach dem die Kosten für Verzögerungen bei Projekten der Energiewende auf die Verbraucher umgeschlagen werden können – und damit auch werden. Hier wir die oben genannte Verbindung von Investitionsentscheidung und Verantwortung dafür getrennt. Die Folge ist, dass Investoren nicht mehr für ihre Fehler einstehen müssen, sondern rausgepaukt werden. Absurd.

Ich hatte 2009 CDU und FDP gewählt, weil ich nach Rot-Grün und Schwarz-Rot wieder eine Bundesregierung wollte, die marktwirtschaftlich tickt. Ich habe die planwirtschaftlichste Bundesregierung bekommen, die diese Republik je gesehen hat. Selbst Gerhard Schröder war mit der Agenda 2010 marktwirtschaftlicher als Merkels Schwarz-Gelbe Regierung.

Glaubt Frau Merkel mit ihrer Energiewende Wähler von SPD, Grünen und Linken abwerben zu können? Wohl kaum, die wählen eh das Original. Gleichzeitig verprellt insbesondere die FDP ihre marktwirtschaftlich orientierten Wähler wie mich. Ich fühle mich hintergangen und betrogen. Vermutlich bin ich da nicht alleine. Darüber sollten die Parteistrategen im Konrad-Adenauer-Haus und im Thomas-Dehler-Haus mal nachdenken.

Veröffentlicht von

Benjamin

Bloggt über Wirtschaft und Politik. Nimmt Ordnungspolitik ernst. Promoviert über Währungsunionen. Blogs about Economics and Politics. Takes Ordnungspolitik seriously. Studies monetary unions for his doctorate.

2 Gedanken zu „Der Preismechanismus“

  1. Umweltpolitik schein wohl im wahrsten Sinne des Wortes ein sehr schmutziges Geschäft zu sein. Verständlich ist zwar, dass man verantwortungsvoller mit Ressourcen umgeht, wenn man dafür bezahlt – meine Frage dazu nur: wer bekommt das Geld für ein Allgemeingut? Sprich: wer verkauft (und kassiert das Geld für) z.B. verschmutzte Luft?

    1. Das Coase-Theorem, nach dem es effizient ist für das Recht zu Verschmutzen (oder das Recht es sauber zu haben) zu bezahlen, braucht keinen Staat. Das regeln die Marktteilnehmer unter sich, weil es in diesem Modellrahmen bekannt ist, wer wieviel Nutzen durch die Verschmutzung (eine Externalität) verliert.
      In der Praxis ist das natürlich nicht möglich, weil Nutzen ein unglaublich abstrakter Begriff ist. Von daher wird z.B. bei der CO2-Verschmutzung von der EU eine gewisse Menge an CO2-Emissionen genehmigt und Zertifikate, die zum Ausstoß berechtigen an die Unternehmen verteilt. Die handeln dann untereinander; wer mehr braucht kauft, wer weniger braucht verkauft. Das Geld geht von den Dreckigen an die Sauberen.
      Der Witz ist jetzt, dass der Staat (hier die EU) über die Erteilung der Zertifikate einen Hebel hat, um die Menge zu steuern. Es ist vorgesehen, dass die Menge der Emissionszertifikate (und damit die Menge an CO2-Ausstoß) immer weiter gesenkt wird, indem die EU selbst Zertifikate kauft, aber nicht nutzt oder verkauft und somit vom Markt nimmt. Das treibt den Preis nach oben und schafft einen marktwirtschaftlichen Anreiz sauber zu sein. Wenn es billiger ist einen Filter zu verwenden als ein Zertifikat zu kaufen, dann werden die Unternehmen das tun.

Kommentare sind geschlossen.