Der Bildungsstreik

Vor zwei Tagen war ja der bundesweite Mega-Superduper-Aktionstag „Bildungsstreik“. Besetzte Hörsäle und alles was sonst noch so dazu gehört. In Mainz zum Beispiel gabs im Frühjahr eine Volksküche und linke Seminare. Jetzt im Herbst haben die Streikis es wohl bei Grafittis belassen und Slogans wie „Streiken gegen Staat, Nation und Kapital“ an diverse Wände geschmiert. Mal abgesehen davon, dass Sachbeschädigung nicht unbedingt förderlich ist, um ein politisches Ziel auf demokratischen Wegen durchzusetzen, zeigen solche Sprüche auch, was hinter dem „Bildungsstreik“ steckt. Hier werden die Nöte, Probleme und Sorgen der Studis eiskalt von linksextremen Gruppierungen in generelle Systemkritik umgedeutet. Der deutsche Philologenverband hat gestern festgestellt, dass der ganze Bildungsstreik von „linksextremen und politikunfähigen Gruppen entscheidend mitgestaltet“ wurde. Und dann wird man als JuLi gefragt, warum wir nicht mitstreiken, obwohl Bildungspolitik bei uns ganz oben steht. Naja… wir sind zum einen ein demokratischer Verband und da hat Sachbeschädigung und Hörsaalbesetzung nunmal keinen Platz und zum anderen solidarisieren wir uns nicht mit Leuten, die prinzipiell mal „gegen das Kapital“ demonstrieren. Wir setzen uns überlegt und demokratisch mit dem Problemkomplex Hochschule auseinander. Dass bei der Bachelor/Master-Einführung gravierende und haarsträubende Fehler gemacht wurden wissen auch die JuLis. Ich selbst kann es aus eigener Erfahrung an der TU Darmstadt berichten. Da sollten die Diplom-Wirtschaftsinformatiker Veranstaltungen hören, die es seit der Bachelor-Einführung bei den Informatikern gar nicht mehr gab. Stattdessen hörten wir eine Veranstaltung aus dem Wahlpflichtbereich des Informatikmasters als Ersatz für unsere Grundlagenveranstaltung. Bravo.
Ich will die ganzen Baustellen nicht nochmal aufzählen, inzwischen sollte hinreichend bekannt sein, wo es an deutschen Hochschulen knirscht. Stattdessen frage ich mal, wie bescheuert man eigentlich sein muss, um auf die Idee zu kommen Hörsäle zu besetzen? In einem besetzten Hörsaal finden keine Veranstaltungen statt. Das hilft mir unglaublich viel weiter bei meiner Bildung… Achso deswegen ja auch Bildungsstreik. Ich streike bei meiner Bildung… Ja, jetzt ergibt es Sinn!

Daß dann allerdings Minister aus Bund und Ländern nach einem Demotag umfallen und damit das undemokratische Vorgehen der Streikis auch noch legitimieren schlägt dem Fass den Boden aus. Solche Entscheidungen werden in unserer Demokratie in den Parlamenten getroffen und nicht in besetzten Hörsälen. Die linke Asta-Truppe mit ihren Transparenten und Schlafsäcken spricht nicht für mich. Der Bundestag schon. 

Wo leben wir eigentlich, wenn Minister auf jeden Unsinn hören, den irgendwelche Demonstranten von sich geben?

Achja: Dass an der Uni Mainz die Jobmesse ausfallen musste, weil die Streikis die Alte Mensa besetzt hatten ist sowohl ein Armutszeugnis für die Streikis als auch für die Uni-Leitung. Erstere, weil es „sinnvoller“ gewesen wäre einen großen Hörsaal zu besetzen und zweitere weil sie sich in die Knie haben zwingen lassen. Gegen Besetzungen (aka Hausfriedensbruch) kann man auch mit Polizeigewalt vorgehen, wenn die Streikis nicht davon überzeugt werden können, die Besetzung zu beenden.

Der 17.11.2009 war ein ganz schwacher Tag für die deutsche Demokratie. Leider.

Veröffentlicht von

Benjamin

Bloggt über Wirtschaft und Politik. Nimmt Ordnungspolitik ernst. Promoviert über Währungsunionen. Blogs about Economics and Politics. Takes Ordnungspolitik seriously. Studies monetary unions for his doctorate.

2 Gedanken zu „Der Bildungsstreik“

  1. "Die linke Asta-Truppe […] spricht nicht für mich. Der Bundestag schon."Die rechtskonservative Bundestags- und Regierungstruppe (mal ganz abgesehen davon, dass der bundestag de facto wenig zu sagen hat) spricht nicht für mich.Muss ich dann gegen die Demokratie sein?

  2. Du hast einen seltsamen Blickwinkel auf unsere Demokratie und die Organe unseres Staates. Der Bundestag spricht für alle Deutschen (ob dir oder mir gefällt was er sagt, steht hier nicht zur Debatte). Wenn der Bundestag außerhalb seiner Zuständigkeit Scheiße bauen würde, dann spricht er auch nicht mehr für mich.Dasselbe passiert grade mit den ASten. Ein AStA ist Teil der verfassten Studierendenschaft, soll sich also zusammen mit den anderen Organen einer Hochschule für selbige einsetzen. Dazu gehört unter keinen Umständen Hausfriedensbruch, Hörsaalbesetzungen und Professoren mit Bierflaschen bewerfen. Wenn Du das gut findest, dann bist Du wohl in der Tat gegen die Demokratie.In einer Demokratie gibt man seine Meinung in den Gremien kund. An einer Uni ist das das StuPa. Demonstrieren und Protestieren ist völlig legitim, aber Hörsaalbesetzungen sind undemokratisch, weil durch solche Aktionen, diejenigen, die die Veranstaltungen besuchen wollen, davon abgehalten werden.

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