Marktwirtschaftliche Energiewende

Vorgestern abend entbrannte in meiner Timeline ein kleiner Disput über die Sinnhaftigkeit der Energiewende. Ich will in diesem Artikel darlegen, welche Art Energiewende für Deutschland sinnvoll ist.

Ich halte die von den letzten Bundesregierungen jedweder Farbkombination durchgeführte Energiewende mit den Kernstücken Atomausstieg und EEG für grandiosen Schwachsinn.
Es ist Hybris, zu glauben wir wüssten die effizienteste Technologie, um Klimawandel und Umweltverschmutzung zu bekämpfen ohne dabei auf nennenswerten Lebensstandard zu verzichten.
Das winzige Deutschland kann auf eigene Faust sowieso nichts erreichen – spieltheoretisch handeln wir völlig irrational:
Auf den Ausgang des Spiels haben wir sowieso keinen Einfluss, weil der Großteil der Menschen und Staaten nur wenig Interesse an einer Reduktion von Treibhausgasen haben.
Auch auf Sinns „Grünes Paradoxon“ sei an dieser Stelle hingewiesen.

Nichtsdestoweniger halte ich es für unstrittig, dass wir unsere Energieerzeugung grundlegend überarbeiten sollten. Ob man nun Klimaschutz, Umweltschutz, Ressourcenknappheit, geopolitische Unabhängigkeit oder andere Gründe anführt, ändert nichts an der Lösungsstrategie. Der zentrale Punkt ist, dass alle genannten Gründe (und alle ungenannten) im wesentlichen als Kosten für die Energieerzeugung aufgefasst werden können, die es zu internalisieren gilt. Das Instrument bleibt dasselbe: marktwirtschaftliche Effizienz.

Effizienz in diesem Sinne heißt, ein Maximum an Klima- und Umweltschutz, Ressourcenschonung, etc. bei einem Minimum an Kosten und Verlust von Lebensstandard (auch eine Art Kosten) zu erreichen. Oder andersherum, ein Minimum an (allen möglichen) Kosten bei einem Maximum an Energieerzeugung zu erreichen.

Das einseitige Ablehnen gewisser Technologien ist dahingehend genauso falsch wie das Festlegen von gewissen Preisen.
Wer jetzt an Atomausstieg und Einspeisevergütung denkt, hat nur halb recht.
Auch die Kernenergie ist in Deutschland stark subventioniert, alleine schon durch implizite Garantien, etwa dass die Endlagerung vom Staat unterstützt wird.
Ein weiteres Beispiel sind Naturschutzgruppen und Bürgerinitiativen, die Stimmung gegen Windkraft- und Biogasanlagen machen.
Auch hier werden Technologien einseitig abgelehnt.

Das ist ein Teil der Hybris.
Ich habe keine Ahnung, welche Technologie effizient zum Klimaschutz eingesetzt werden kann – und sonst weiß es auch niemand.
Genauso wenig weiß ich, welche zukünftigen Technologien einmal effizient sein könnten.
Wird aber eine Technologie von vorneherein ausgeschlossen und der Wettbewerb durch vorgegebene Preise ausgehebelt, werden wir niemals diese neuen Technologien erhalten – was auch immer es sein mag.

Um die effiziente Lösung zu finden, können wir uns einzig auf den Markt verlassen.
Damit dieser auch die effiziente Lösung hervorbringt, muss der Preismechanismus wirken können: Schumpeters schöpferische Zerstörung muss erlaubt werden Ineffizientes vom Markt zu fegen und durch Effizientes zu ersetzen.
Blöderweise funktioniert der Preismechanismus auf dem Energiemarkt nicht sonderlich gut:
Für Großkraftwerke bestehen hohe Fixkosten und Markteintrittsbarrieren,
die Laufzeiten von Kraftwerken jedweder Art ist vergleichsweise lang und bei allen Arten der Energieerzeugung sind externe Effekte nicht eingepreist: CO2-Ausstoß, Endlagerung, Eingriffe in die Natur, Abbau von Rohstoffen, deren Weiterverarbeitung, Versicherungskosten, usw.
All das muss eingepreist werden, damit der Preismechanismus korrekt funktioniert.

Vieles kann man mit der Versteigerung von Nutzungsrechten einpreisen, anderes muss möglicherweise staatlich reguliert werden.
Das ist übrigens Neoliberalismus im eigentlichen Wortsinne:
Ein starker Staat sorgt dafür, dass die Märkte funktionieren, aber er legt nicht das Ergebnis fest.

Eine solche Energiewende könnte das Ergebnis liefern, dass es effizient ist, das Land mit Windrädern zuzustellen.
Wenn das das Marktergebnis sein sollte bin ich sofort bereit es zu akzeptieren.
Wenn es den Wiedereinstieg in die Kernenergie sein sollte: Dann ist das eben so.

Wir sollten nur nicht glauben, dass wir zufälligerweise mit der aktuellen Energiewende die effiziente Lösung implementieren.

Um es deutlich zu sagen: Dieser Planet geht vor die Hunde weil wir zuwenig Marktwirtschaft einsetzen, nicht zuviel.
Korrekt implementierte Marktwirtschaft bepreist die knappen Ressourcen und die Effekte auf die Umwelt.
Es ist die Zerstörung unserer Welt durch Ignoranz und Anmaßung, die mich fassungslos macht.
Gelassen bin ich keineswegs.
Aber man darf auch analytische Nüchternheit nicht mit Gelassenheit verwechseln.

Veröffentlicht von

Benjamin

Bloggt über Wirtschaft und Politik. Nimmt Ordnungspolitik ernst. Promoviert über Währungsunionen. Blogs about Economics and Politics. Takes Ordnungspolitik seriously. Studies monetary unions for his doctorate.