Leseempfehlung: „Steigt der Anteil der Armen in Deutschland?“

Kolja Rudzio schreibt in der ZEIT einen besonnenen und unaufgeregten Artikel zur Armut in Deutschland, wie sie gemessen wird und wie die Ergebnisse fehlinterpretiert oder sogar missbraucht werden.

Lesenswert für Ökonomen und Statistikfans und für Linke jeder Coleur, die über den Tellerrand hinausblicken wollen.

Veröffentlicht von

Benjamin

Bloggt über Wirtschaft und Politik. Nimmt Ordnungspolitik ernst. Promoviert über Währungsunionen. Blogs about Economics and Politics. Takes Ordnungspolitik seriously. Studies monetary unions for his doctorate.

2 Gedanken zu „Leseempfehlung: „Steigt der Anteil der Armen in Deutschland?““

  1. Sehr interessant, diese Tendenz hätte ich nicht vermutet. Interessant finde ich auch, wie solche „Armuts-Studien“ zustande kommen.
    Schon erschreckend, wie sehr uns Politiker mit solchen Informationen manipulieren (wollen).

    1. Es sind nicht nur die Politiker 🙂 Es sind auch Volkswirte, die zu einer oder einer anderen Meinung tendieren. Da wird munter etwas in die Daten reininterpretiert, das eigentlich gar nicht da ist. Leider.
      Letzten Endes kannst Du keiner Statistik vertrauen, die Du nicht selbst gefälscht hast – dieser Spruch ist zwar abgedroschen, aber wahr. Ich habe im Rahmen des Studium soviele Paper gelesen, in denen die Autoren statistische Nullen interpretiert haben, weil sie das richtige Vorzeichen hatten. Oder genau die Analysemethode wählten, die das gewünschte Ergebnis brachte. Der großartige Ronald Coase (benannt nach dem Theorem selben Namens) soll oft gesagt haben: „If you torture the data long enough, it will confess.“ – womit er wohl recht hat. Was aber auch die empirische (Wirtschafts-)Wissenschaft ein wenig ad absurdum führt.
      Ich denke, die interessante Größe ist eher, wie vielen Menschen es wirklich elend geht. In jeder Gesellschaft gibt es Menschen, die mehr haben als der Durchschnitt und welche, die weniger haben; mit all den statistischen Effekten, die man so wunderbar fehl- und missinterpretieren kann. Helfen wir Menschen im Elend mit Mindestlöhnen? Vielleicht, wenn sie ihren Job behalten. Vielleicht auch nicht, wenn sie gefeuert werden. Dann hätte ein Mindestlohn (statistisch) sogar die Armut vergrößert. Die Frage, die sich eigentlich stellt ist eine ganz andere: Wollen wir in Kauf nehmen, dass es einigen Menschen schlechter gehen wird, damit wir anderen helfen können?

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