Derselbe Fehler

Mit der Wahl von Frauke Petry zur Chefin wandelt sich die AfD zur offen rechts-konservativen bis rechts-radikalen Partei, setzt sich über ihren Gründungsmythos hinweg und begeht damit denselben Fehler, den auch die Piraten vor etwa zwei Jahren gemacht haben. Von den Piraten, die sich selbst zur linken Splitterpartei degradiert haben, hört man heute nichts mehr. In der Sonntagsfrage werden sie überhaupt nur noch von zwei Instituten bei ca 1% geführt. Dasselbe Schicksal wird nun auch voraussichtlich der AfD drohen. Derselbe Fehler weiterlesen

Leseempfehlung „Deutschlands gescheiterte Klimapolitik“

Björn Lomborg will die Welt zu einem besseren Ort machen. Der 50 Jahre alte dänische Politologe und Statistiker setzt auf die Überzeugungskraft der Zahlen. 2004 lud er renommierte Ökonomen nach Kopenhagen ein, um herauszufinden, wo die knappen Entwicklungsmilliarden die größte Wirkung erzielen im Kampf gegen Hunger, Krankheit und Armut. Blauäugigen Klimaschützern rechnet er vor, wie wenig die Milliardensubventionen für die Erneuerbaren für das Weltklima erreichen.

FAZ: „Deutschlands gescheiterte Klimapolitik

Lesenswert, weil er auf das eigentliche Problem der politischen Interessen von China, Indien und Co. eingeht, den Lebensstandard zu erhöhen. Lomborg präsentiert auch eine Alternative zu Subventionen (Spoiler Alarm: Nicht Kernkraft).

Der negative Euribor und ein Ausstiegsszenario

Gestern war also der wichtigste Interbankenzinssatz, der 3-Monats Euribor, kurzzeitig negativ. Nicht viel, aber immerhin.
Es wird immer deutlicher, dass die EZB die Geister, die sie rief nicht mehr los werden kann. Das Niedrigzinsumfeld verselbstständigt sich, schon erwarten Banken ein Fallen der Hypothekenzinsen möglicherweise in negatives Territorium. Der negative Euribor und ein Ausstiegsszenario weiterlesen

Game of Chicken mit Hintergedanken

Griechenland hat die Eurozone seit Beginn der Schuldenkrise 2010 in ein Game of Chicken gezwungen – wer zuerst blinzelt hat verloren, aber einer muss blinzeln, sonst verlieren beide. Die griechische Regierung unter Ministerpräsident Tsipras hat das Spiel nun noch einmal verschärft. Da stellt sich nun die Frage, ob Tsipras wirklich noch ein Game of Chicken spielt oder ob wir uns nicht längst in einer Variante des Spiels befinden, in der zwar beide verlieren wenn keiner blinzelt, aber der Verlust für Griechenland deutlich niedriger ist als für die Eurozone – scheinbar zumindest. Game of Chicken mit Hintergedanken weiterlesen

Die Wirtschaft wartet nicht

In Griechenland findet seit geraumer Zeit ein leiser Bankrun statt, der sich jetzt wohl noch einmal beschleunigt hat. Wie jeder Bankrun ist es individuell optimal sein Konto leerzuräumen und Bargeld zu halten, aber in der Summe ist das natürlich fatal für Banken und damit auch für den griechischen Staat. Immerhin sind es die Banken, die mit dem Kaufen von T-Bills die Regierung gerade so noch über Wasser halten – auch wenn das nicht ewig so weitergehen kann, wie die EZB gerade beschlossen hat. Die Wirtschaft wartet nicht weiterlesen

Schubs

Gestern besuchte der griechische Ministerpräsident Tsipras Bundeskanzlerin Merkel. Zumindest der Ton in dem beide übereinander sprachen unterscheidet sich doch deutlich von der polternden Rhetorik mit der griechische Minister zuletzt negativ aufgefallen sind. In der Sache gibt es wohl noch keine Fortschritte – auch wenn ich das Vorlegen einer Reformliste kaum als Fortschritt bezeichnen könnte. Tsipras und seine Regierung müssen einfach mal hinne machen anstatt immer nur Reden zu schwingen.

Damit meine ich insbesondere das Angebot Deutschlands und Frankreichs anzunehmen, die griechische Verwaltung mit der Hilfe deutscher und französischer Experten auf Vordermann zu bringen. Finanzhilfe über das hinausgehend, was bereits vereinbart wurde ist weder hilfreich noch politisch in den Geberländern vermittelbar. Griechenlands Regierung muss die Reformliste vorlegen, um den Greccident Ende März zu verhindern. Sobald diese unmittelbare Gefahr gebannt ist, muss es um den Transfer von Know-How und Expertise gehen. Da können Deutschland und Frankreich mit Verwaltungsfachleuten viel erreichen. Um die griechische Wirtschaft aber wieder wettbewerbsfähig zu machen, braucht es mehr als nur ein paar Berater. Schubs weiterlesen

Inflation ist nicht gleich Inflation

Die EZB wird am Montag (9.3.) mit ihrem QE-Programm beginnen, offiziell weil die Inflationsrate zu niedrig ist. Ich verstehe beim besten Willen nicht, wie ein QE-Programm einer Zentralbank mit niedrigen Inflationsraten oder Deflation begründet werden kann.

Dem liegt meines Erachtens ein Missverständnis über die Natur der Inflation zu Grunde. Genauer, über die Doppelnatur der Inflation. Inflation ist nicht gleich Inflation weiterlesen

Wie man unkonventionelle Geldpolitik nicht beendet

Der Kurseinbruch des Euro am 15.1.2015
Der Kurseinbruch des Euro am 15.1.2015 (Quelle: onVista)

So langsam zeigt sich, was die Schweizer Zentralbank (SNB) mit der unerwarteten und unmittelbaren Beendigung der Kursobergrenze für den Franken gegenüber des Euro angerichtet hat. Mindestens zwei Pleiten und jede Menge Verluste für Fonds und Privatanleger.

Gut, auf eine gepeggte Währung zu  wetten und dabei absurd hohe Hebel einzusetzen ist fahrlässig und dumm. Auch fahrlässig war es, dass polnische Banken Kredite in Franken vergaben, einer Währung die in den letzten Jahren eigentlich immer unterbewertet war und nur durch die Intervention der SNB bei 1,20 € gehalten wurde – wenn einige dieser Darlehen jetzt durch den Kursrutsch des Złoty sauer werden und Banken in Schieflage bringen, habe ich auch wenig Mitleid.

Andererseits halte ich auch die Vorgehensweise der SNB für fatal. Gerade auch für börsennotierte Schweizer Unternehmen, deren Kursrutsche jede Menge Kapital vernichtet haben – ok, Kapital, das vermutlich nicht wäre, wenn der Franken in den letzten Jahren einen fairen Marktpreis gehabt hätte, aber sei’s drum.

Die jüngste Geschichte zeigt, wie man aus unkonventionellen geldpolitischen Maßnahmen aussteigt, nämlich nach dem Vorbild der Fed und ihrem Ausstieg aus dem Quantitative Easing (QE) Programm, dem so genannten Taper. Anstatt von-jetzt-auf-gleich die Käufe einzustellen, hat die Fed es per Forward-Guidance angezeigt und das Programm langsam heruntergefahren.

Warum hat es die SNB nicht ähnlich gemacht? Man hätte doch ankündigen können, dass die SNB den Kurs der EZB nicht mehr mittragen will und den Peg durch einen Korridor ersetzen, der dann Monat für Monat breiter wird, bis er irgendwann abgeschafft werden kann, weil der Franken den Marktwert erreicht hat. Stattdessen hat sie durch diese Aktion ca. 30% des Wertes ihrer in Euro notierten Aktiva vernichtet. Money for nothing.

Soviel frisch gedruckte Franken, die die SNB direkt in Euro-notierte Staatspapiere  (v.a. Bunds) gesteckt hat, kann das Kostenargument nicht ziehen, selbst wenn die EZB bald mit QE beginnt. Im Augenblick kann man nur spekulieren, was der tatsächliche Grund gewesen sein mag. Vielleicht ein interner Sieg der Inflation-Hawks? Aber selbst geldpolitische Falken – zu denen ich mich selbst ja auch zähle – müssten eigentlich wissen, dass man nicht so ohne weiteres aus einer bestimmten Geldpolitik herauskommt. Und wenn doch, dann geht dabei viel Zentralbankporzellan zu Bruch; schon häufen sich die Stimmen, das Vertrauen in die SNB habe Schaden genommen. Fatal für eine moderne, unabhängige Zentralbank.

Unkonventionelle geldpolitische Eingriffe wie Kursgrenzen oder QE sind gefährlich – manchmal vielleicht notwendig und effektive – aber gefährlich nichtsdestoweniger. Derartige Eingriffe muss man bis zum Schluss durchziehen, wenn man erst einmal damit angefangen hat, auch wenn Kollateralschäden auftreten. Die Schäden durch einen abrupten Ausstieg könnten den gesamten vorherigen Erfolg der Maßnahme zunichte machen. Ob man QE3 der Fed für sinnvoll/effektiv hält oder nicht, der Ausstieg daraus war vorbildlich. Eine Lektion, die man in Zürich wohl nicht gelernt hat. Ich hoffe, im Frankfurter Ostend sieht man genau hin, wie man unkonventionelle Geldpolitik nicht beendet.

Leseempfehlung „Auf zur neuen Freiheit“

Nora Bossong schreibt in ihrem ZEIT-Blog Freitext vom Dreikönigstreffen der FDP über die Notwendigkeit des politischen Liberalismus als „Politik der Toleranz und des Respekts […], verbunden mit furchtloser Weltoffenheit“ und ob die ein bisschen erneuerte FDP diesen Liberalismus verkörpern kann und wird. Ich lese die leise Hoffnung darauf aus ihrem Text. Eine leise Hoffnung, die ich teile.

http://www.zeit.de/freitext/2015/01/09/fdp-liberalismus-nora-bossong/

Lesenswert allemal, auch für diejenigen, die den politischen Liberalismus als Strömung in der deutschen Parteienlandschaft schon abgeschrieben haben.